Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

... Tim Caspers über seinen Traum und ein besonderes Projekt

1... Tim Caspers ...
... über seinen Traum und ein besonderes Projekt

Tim Caspers ist fast 35 Jahre alt und hat ein Projekt ins Leben gerufen, welches ihn in einigen Kreisen zu einer Art Star werden ließ. Er ist nicht nur Hörspielfan, sondern nun auch Hörspielsprecher geworden. Dabei geht es ihm gar nicht um den großen Ruhm oder gar das große Geld. Ihn treibt etwas ganz anderes um. Auf der HÖRMICH in Hannover, die Ende Mai stattfand gab er fleißig Autogramme. Im Zauberspiegel-Interview erzählt er seine Geschichte.


Zauberspiegel: Tim, kannst Du dich noch an Deine erste Begegenung mit dem Medium Hörspiel erinnern?
Tim Caspers: Oh ja, wann genau das war kann ich allerdings nicht mehr genau sagen aber ich habe damals in unserem Keller herumgestöbert und bin über einen Stapel Schallplatten gestolpert.
Sindbad, der letzte Mohikaner und einige andere tolle Geschichten waren dabei. Nachdem ich meinen Vater einige Zeit bekniet hatte, ließ er sie mich irgendwann auf seiner heiligen Stereoanlage hören.
Ich habe dann ganze Vormittage mit Kopfhörern auf dem Teppich im Wohnzimmer gelegen und die Platten rauf und runter gehört.

Zauberspiegel: Du bist mit 34 Jahren nicht unbedingt ein typisches Kassettenkind. Du wurdest in den 80er Jahren geboren, zu einer Zeit als das Hörspiel in Kassettenform seinen Höhepunkt bereits erreicht hatte. Es kam dann so langsam der Untergang und was noch an Hörspielen da war, erschien fortan fast nur noch auf CD (ab Ende der 80er Jahre). hast Du dennoch Erstveröffentlichungen auf Kassette bewusst miterlebt?
Tim Caspers: Falsch, ich bin 1979 gebohren Winkwas jetzt aber nichts an der Tatsache ändert das ich mich daran nicht mehr wirklich erinnern kann. Damals liebte ich die TV-Serie Knight Rider, meine Oma hat mir dann zu jeder Gelegenheit eine Hörspielkassette der Serie mitgebracht. Ausserdem kann ich mich noch an Regina Regenbogen erinnern aber das war es zu dem Zeitpunkt auch schon.

Zauberspiegel: Welche Hörspiele bzw. Serien waren damals zu Beginn Deiner Sammlerleidenschaft deine Favoriten?
Tim Caspers: Angefangen hat es mit TKKG, meine erste Kassette kaufte ich damals bei einem Flohmarkthändler welcher mittlerweile ein guter Freund von mir und der Patenonkel meiner Tochter geworden ist.
Wir trafen uns anfangs eher durch Zufall auf den Flohmärkten. Später aber, suchte ich ihn gezielt auf, um meine Sammlung zu vergrößern. Die Serie hatte ich relativ schnell komplett, was dann einen regelrechten Rausch auslöste. Ich kaufte was ich kriegen konnte, Funk Füchse, Fünf Freunde, alte Europa Kassetten, einfach alles!

Zauberspiegel: Und welche sind es heute?
Tim Caspers: Hm... daran hat sich nicht viel geändert, außer das ich von Kassette auf CD umgestiegen bin. Natürlich sind viele andere/neue Serien dazu gekommen. Unangefochten auf Platz 1 meiner Lieblingsserien sind natürlich die drei Fragezeichen, dicht gefolgt von alten WDR Krimis wie zb. Paul Temple, das Halstuch und viele weitere Geschichten von Francis Durbridge etc. Bei neueren Reihen höre ich zum beispiel sehr gerne "Mord in Serie" die Thriller mit realitätsnahen Handlungen haben mich  übrigens schon fasziniert als ich noch nicht darin zu hören war Wink
Mittlerweile schlummern knapp 1800 CD´s in meinen Vitrinen und es werden immer mehr.....

Zauberspiegel: Du wolltest immer selbst in Hörspielen mitwirken. Nicht aus reiner Selbstverwirklichung oder dem purem eigenen Wunsch, sondern um eine Art "Lebenswerk" zu schaffen, dass dich in Erinnerung behält. Erzähle uns von Deiner Idee?
Tim Caspers: Nun Ich leide an einer schweren und unheilbaren Lungenerkrankung, die meine Lebenserwartung massiv verkürzt und unweigerlich zum Tod führt. Wenn die Ärzte Recht behalten habe ich nur noch wenige Jahre zu leben. Ich besitze keine Reichtümer, die ich meiner jetzt 3,5 jährigen Tochter Lenja vermachen könnte.
Daher habe ich es mir zum Vorsatz gemacht, für eine ganz besondere Art von "Erbe" zu sorgen. Ich kann ihr etwas hinterlassen, das viel mehr wert ist als Geld oder Wertgegenstände... Meine Stimme und die damit verbundenen Erinnerungen.
Meine Tochter soll sich später an mich erinnern, wenn sie die Hörspiele hört, in denen ich mitgesprochen habe.

Zauberspiegel: In wie vielen Hörspielen hast du bereits mitgewirkt?
Tim Caspers: Stand heute, sind es exakt 25 Stück seit Beginn meiner "Sprecherkarriere" vor genau 9 Monaten. Angefangen hat alles im Tonstudio Steinbrecher mit einer kleinen Rolle als Ameise im Weihnachtsspecial der Serie Andi Meisfeld.  Noch am selben Tag sprach ich meine 2. Rolle ein,  diesmal als Major in der Serie Blauer Planet Folge 8 „Monster“ für Mord in Serie und Team Undercover habe ich bisher schon 11 Rollen eingesprochen. In Dreamland Grusel Folge 20 bin ich auch vertreten.
Im April 2014 Sprach ich einen Texanischen Sherriff in der Serie REX DART von den MindCrusher Studios.
Für das Label, Highscore Music habe ich bereits jeweils 3 Rollen für Batman und Captain Future, sowie 2 Rollen in der Serie Sherlock Holmes undeine Rolle bei Sherlock Holmes & Co. eingesprochen.
Auch Marco Göllner (Goldagengården, Dorian Hunter bis 2013) sowie Markus Winter von Winterzeit (u.a. Dark Mysteries, Sherlock Holmes Chronicles) haben mir eine Beteiligung in einem Ihrer nächsten Projekte zugesagt.
Bei Lindenblatt Records stehen im Herbst, Aufnahmen für HUMANEMY an.
Ausserdem bin ich mit einer Mini-Rolle im neuen Hörspiel "Abwärts" vertreten.
In den nächsten Wochen werde ich auch noch für die   kommende Staffel DRAGONBOUND einsprechen.
Erst kürzlich wurde mir auch eine Rollein einer Produktion von R&B Aussicht gestellt und auch im dritten Hörspiel der Trashothek werde ich dabei sein.
Ausserdem verliefen erste Gespräche mit Karsten Schäfer  (Harry und Waldemar) sowie Falk T. Puschmann (Der Fluch)äusserst positiv, sodass auch dort in Zukunft mit mir gerechnet werden darf.
Und in diesem Moment wo ich gerade die Frage hier beantworte, kommt eine Anfrage von HÖRPLANET für Rollen in AMADEUS und Lady Bedfort.

Zauberspiegel: Wie reagieren Hörspiellabel auf entsprechende Anfragen von Dir? Kommen auch Absagen oder Ablehnung? Welche Erfahrungen hast du gemacht?
Tim Caspers: Größtenteils sind die Reaktionen auf Anfragen von mir, äusserst positiv. Viele Produzenten und/oder Labelinhaber habe ich persönlich auf Messen oder sonstigen Veranstaltungen angesprochen. Ich bevorzuge da eher das persönliche Gespräch was in den meisten Fällen sofort zu einer Zusage führte. Fast alle finden die Idee klasse, es ergaben sich sehr nette Gespräche denn viele können sich in meine Lage hineinversetzen weil sie vlt. selber Kinder haben.
Eine e-Mail vergisst man schnell wieder, eine nette Unterhaltung bleibt hingegen länger im Kopf. Erst kürzlich traf ich Oliver Rohrbeck, an den ich bisher per Mail nie heran kam.
Ob da was hinterher kommt bleibt abzuwarten. Komischerweise blieben fast alle Anfragen die ich nur per Mail stellen konnte, ohne das man mich vorher kannte, unbeantwortet.

Zauberspiegel: Bisher waren es hauptsächlich Minirollen, die du sprechen durftest (bitte korrigiere, wenn ich flasch liege).
Wäre eine größere Rolle nicht auch reizvoll und gibt es dementsprechend Pläne oder Angebote?
Tim Caspers: Ja es sind bisher zu 99% Minirollen und kleine Nebenrollen, allerdings habe ich schon 2 größere Nebenrollen für Team Undercover und Mord in Serie eingesprochen, wovon die erste allerdings erst im Herbst erscheint.
Bei den geplanten Aufnahmen für Dragonbound ist auch schon mehr Text zu sprechen. Ich kann die Label da aber auch verstehen, ich bin neu in der Branche und es gibt noch nicht viel veröffentlichtes Material von mir, was mein Können bescheinigt, da tastet man sich eher langsam heran.

Zauberspiegel: Und gibt es sogar eine Traumrolle für Dich?
Tim Caspers: ch spreche alles Super gerne. Allerdings wäre eine Hauptrolle in einem tollen Hörspiel schon der Oberkracher-das könnte nur noch eine Rolle in einer Serie über mehrere Folgen toppenWink
Was mich aber auch sehr Reizen würde, wäre ein Hörbuch zu sprechen.

Zauberspiegel: Hast du auch bei Major-Labeln schon von Deinem Projekt berichtet?
Tim Caspers: Du meinst also die Mega-Label wie Europa und Kiosk?
Ja das habe ich. Europa hat auf mehrere Anfragen per Mail, Facebook und auch per Post leider nicht reagiert. Von Kiosk gabs eine Absage, vielleicht sind die aber auch noch eine Nummer zu groß für mich. Wer weiß, vielleicht kommen die eines Tages ja auf mich zu, wenn ich es zu etwas gebracht habe, allerdings muss ich dann gucken das ich dafür noch Termine frei habe *lach*

Zauberspiegel: Wie soll das Ende des Projektes aussehen? Hast du ein Ziel? Willst du eine bestimmte Anzahl von Hörspielen schaffen?
Tim Caspers: Ich habe dem Projekt kein Limit gesetzt. Das sprechen macht mir riesig Spaß und das war schon immer ein Traum von mir. Diesen Traum lebe ich jetzt, und zwar solange es geht. Ich weiß nicht was die Zukunft bringt, zZt. bringt sie mir einfach nur gutes und das koste ich aus.
Mal ehrlich, ich werde um Autogramme gebeten. Alleine auf der HÖRMICH in Hannover habe ich knapp 100 Autogrammkarten geschrieben,ich bekomme Fanpost mit super lieben Worten per Mail, es bitten mich Hörspielfans um ein Foto mit mir, All das gibt mir gerade einen richtigen schub.
Man hat wieder ein Ziel vor Augen, man bekommt Bestätigung und Anerkennung, dass ist einfach toll und auf der Welle reite ich einfach weiter.
Sollte einmal der Zeitpunkt kommen, wo ich nicht mehr für Hörspiele angefragt werde, geht die Welt für mich aber nicht unter, da ich in Zukunft auch noch ein Buch für meine Tochter einsprechen möchte.
Das Projekt "Meine Stimme für Lenja" endet dann, wenn meine Stimme für immer verstummt.

Zauberspiegel: Und wie ist es mit dem Talent? Wie reagieren Regisseure bisher auf Deine Leistungen?
Tim Caspers: Einige Label für die ich bisher nur kleine Sachen eingesprochen habe, haben mir schon weitere Einsätze zugesagt. Meine bisherigen 11 Rollen für Team Undercover und Mord in Serie kommen auch nicht von ungefähr, das sind keine Mitleidsangebote mehr. Klar, ich habe keine Schauspielschule besucht und auch keine Sprecherausbildung gemacht aber ich hatte schon immer Schauspielerisches Talent, welches ich schon damals in der Theatergruppe der Schule ausgelebt habe. Ich würde gerne eine Sprecherausbildung machen aber da ich nur von einer kleinen Rente lebe, ist das einfach nicht machbar.

Zauberspiegel: Gehst du ins Studio für die Aufnahmen oder machst du es von daheim?
Tim Caspers: Ich gehe für die Aufnahmen ins Studio, wenn möglich bei den Produzenten selber. Da diese aber zum Großteil nicht aus meiner Region kommen und ich es mir unmöglich leisten kann, mal eben für eine kleine Rolle nach Berlin oder Hamburg zu fahren (da ich mit meinen Einsätzen kein Geld verdiene) fahre ich in ein Professionelles Tonstudio nach Duisburg.das Coal island Studio unterstützt mich seit einiger Zeit und stellt mir ab und wann das Studio zur Verfügung. Ausserdem unterstützt mich in der Richtung auch noch Christoph Piasecki von Contendo Media, der nach Absprache mit den "Auftraggebern" Regie führt.
An dieser Stelle, nochmal ein dickes Danke an alle Beteiligten!
Dazu gehören auch die Privaten Gönner und Unterstützer, die mir hier und da mal ein Paar Liter in den Tank füllen damit ich Einladungen zu Veranstaltungen wahrnehmen kann sowie alle Labels und Produzenten die bis jetzt so mutig waren und ein Stück meines weges mit mir gemeinsam gegangen sind!

Gäste sind momentan nicht mehr berechtigt Kommentare zu schreiben, da täglich bis zu 200 Spamkommentare gelöscht werden mussten.

Bitte registriert Euch beim Zauberspiegel. Wir suchen nach einer Lösung.

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles