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... Stephan Askani übers Lektorat im Bereich „Fantasy“ bei Klett-Cotta

Stephan Askani... Stephan Askani ...
... übers Lektorat, Fantasy und Klett-Cotta

Die Frankfurter Buchmesse ist immer wieder für interessante Begegnungen und freudige Überraschungen gut. Mitunter gibt es sogar Momente, in denen beides zusammenkommt.

So etwa am Freitag der diesjährigen Buchmesse, als ich müßig durch die weitläufigen Hallen des Messegeländes schlenderte und zum Stand von Klett-Cotta kam.

Klar, dass ich mich unverzüglich zum Regal mit den Fantasyromanen begab, ist der Verlag doch bekannt für sein kleines, aber exquisites Programm qualitativ hochwertiger Bücher.

Wie es der Zufall so wollte, wurde ich in ein Gespräch über das Programm von Klett-Cotta sowie Fantasyromane im Allgemeinen verwickelt, ein Gespräch, zu dem auch Stephan Askani, seines Zeichens Fantasy-Lektor bei Klett-Cotta, hinzustieß. Eine angeregte Diskussion folgte, bei der sich mal wieder zeigte, wie facettenreich und vielseitig das Fantasygenre doch ist.

Viel zu früh musste Herr Askani wieder aufbrechen, um seinen nächsten Termin wahrzunehmen. Wirklich schade, denn viel zu selten hat man die Gelegenheit, mit einem Menschen zu reden, mit dem man gleichermaßen entspannt und fachlich über Fantasy diskutieren kann. Doch glücklicherweise erklärte er sich bereit, dem Zauberspiegel Rede und Antwort zu stehen, was sein Verhältnis zu Fantasyromanen und das Programm von Klett-Cotta anbelangt.

Zauberspiegel: Guten Tag, Herr Askani! Aus unserem Gespräch auf der Frankfurter Buchmesse habe ich ja herausgehört, wie beschäftigt sie zur Zeit sind. Da freut es mich umso mehr, dass Sie sich die Zeit nehmen und dem Zauberspiegel ein kurzes Interview geben.
Ich will Sie auch gar nicht lange aufhalten und fange daher ohne weitere Umschweife an.
Sie sind Fantasy-Lektor bei Klett-Cotta. Können Sie ganz kurz sagen, was das bedeutet? Wie sehen Ihre Aufgaben als Fantasy-Lektor aus?

Stephan Askani: Ein Lektor ist verantwortlich für sein Programm, das heißt er macht Projektplanungen, akquiriert Manuskripte, die Lizenzen an ausländischen Titeln und begleitet jedes Buch bis hin zum „Imprimatur“, der Freigabe zum Druck.  


Zauberspiegel: Was ist es, das Sie gerade am Fantasygenre so fasziniert?
Stephan Askani: Das Fantasygenre hält eine unglaubliche Bandbreite an Möglichkeiten und Spielarten bereit, sie reicht bei Klett-Cotta zum Beispiel von so ernsten und dramatischen Büchern wie »Die Kinder Húrins« von Tolkien bis zu einem so humorvollen Buch wie »Die Brautprinzessin« von William Goldman. Mich fesseln vor allem die Ausnahmeautoren wie z.B. Tad Williams oder jetzt ganz neu Patrick Rothfuss mit »Der Name des Windes«.

Zauberspiegel: Klett-Cotta bietet seinen Lesern ein niveauvolles, aber doch recht kleines Sortiment an ausgewählten Fantasyromanen. Nach welchen Kriterien wählen Sie die Romane aus, die den Weg in Ihr Programm schaffen?
Stephan Askani: Da gibt es eine ganze Reihe von Kriterien, sogar welche, die ich nicht verraten würde. Am wichtigsten sind mir der Erzählton und die Frage: Hat der Autor überhaupt eine richtige Beziehung zu seinen Figuren? Nimmt er sie (und damit den Leser) ernst?

Zauberspiegel: In Sachen Fantasy gibt es ja ein gewaltiges Angebot, und es sind viele Werke dabei, die qualitätsmäßig voll und ganz zu überzeugen wissen. Fällt es Ihnen nicht manchmal schwer, sich auf einige wenige Bücher beschränken zu müssen?
Stephan Askani: Doch, allerdings möchte ich hinzufügen, dass in der Beschränkung auch ein Vorteil liegt. Unsere Bücher sind sehr lange im Programm, wir haben viele Titel aus den 80er Jahren lieferbar, die inzwischen Klassiker sind: »Die Borribles«, »Der König auf Camelot«, »Das letzte Einhorn«, für das ich gerade eine erweiterte Neuausgabe vorbereite. Ein gutes Fantasyprogramm braucht Sorgfalt und Zeit. Und diese Zeit hat man nur, wenn man sich in der Titelanzahl beschränkt.

Zauberspiegel: »Otherland« von Tad Williams, »Der Name des Windes« von Patrick Rothfuss, »Schattenfall« von R. Scott Bakker – das Programm von Klett-Cotta könnte abwechslungsreicher nicht sein. Bei den wenigen Büchern, die im Jahr erscheinen, kann man sich doch fragen, warum Sie sich nicht auf eine ganz bestimmte Spielrichtung in Sachen Fantasy (z.B. auf Romantasy oder High Fantasy) beschränken, wie es so manch anderer Verlag tut ...
Stephan Askani: Das hängt damit zusammen, dass für uns vor allem die erzählerischen Vorzüge für ein Buch den Ausschlag geben. Die Zuordnung in die Subgattungen des Genres sind demgegenüber nicht ganz so wichtig.

Zauberspiegel: Qualität hin oder her, Kritik an Romanen gibt es immer. Wie geht man als Lektor damit um? Welche Kritiken und Kritikpunkte sind diejenigen, die Ihnen am meisten zu denken geben und mit denen Sie sich am intensivsten auseinandersetzen?
Stephan Askani: Mit der Zeit lernt man, rein polemische Kritik an sich abprallen zu lassen. Kritik von sensiblen Lesern, die sich unter dem Buch, das sie sich gekauft haben, etwas anderes vorgestellt haben, geht mir schon eher nahe.

Zauberspiegel: Ihr Programm umfasst vorwiegend Romane englischsprachiger Autoren. Gibt es Pläne, auch Bücher deutschsprachiger Autoren ins Sortiment zu nehmen?
Stephan Askani: Ja, da bin ich unmittelbar dran, und da wird es spannende Sachen geben, die ich aber noch nicht preisgebe.

Zauberspiegel: Gibt es Pläne, das phantastische Segment bei Klett-Cotta um zusätzliche Genres zu erweitern (also etwa Literatur aus dem Horror-, SF- oder Mystery-Bereich)?
Stephan Askani: Nein, ich denke, wir bleiben bei dem, was wir gut können…

Zauberspiegel:Gibt es einen Roman, den Sie gerne in Ihr Sortiment aufnehmen würden bzw. gerne in Ihr Sortiment aufgenommen hätten? Wenn ja, warum?
Stephan Askani: Ja natürlich. Zum Beispiel hätte ich »Wächter der Nacht« von S. Lukianenko auch sehr gerne bei Klett-Cotta gehabt. Aber mein Kollege Sascha Mamczak von Heyne hat das Buch und den Erfolg auch verdient.

Zauberspiegel: Zu guter Letzt: Stellen Sie sich vor, jemand spricht Sie an und möchte wissen, welcher Roman aus Ihrem Programm besonders zu empfehlen sei. Was würden Sie ihm antworten?
Stephan Askani: Eindeutig und ohne Zögern: Patrick Rothfuss, »Der Name des Windes«.

Zauberspiegel: Vielen Dank, Herr Askani, für dieses Interview.

Wer ist...
...Stephan Askani? Jahrgang 1960 und Pfarrerssohn, ist verheiratet mit der bildenden Künstlerin Veronika Askani geb. Scholl, und hat zwei Töchter. Stephan Askani studierte Allgemeine Rhetorik, Neuere deutschen Literatur und Philosophie in Tübingen und Paris. 1989 begann er seine Verlagslaufbahn und arbeitete seither in mehreren Verlagen als freier Lektor und in fester Anstellung. Seit 1996 ist er bei dem angesehenen Stuttgarter Verlag Klett-Cotta in verschiedenen Funktionen tätig. 2003 wurde er verantwortlicher Lektor für den Bereich Phantastische Literatur/Hobbit Presse. In seiner Freizeit spielt Askani Geige, v.a. Bach und Mozart (am liebsten, wenn niemand zuhört), und fährt Motorrad (am liebsten, wenn die Straßen frei sind).

 

Kommentare  

#1 Der Spuk 2008-11-26 21:15
Das mit der freien Straße könnte zu mir auch gut passen. Kann mich noch recht dramatisch an eine Gelegenheit erinnern, als ich...tja...
Blind am Steuer...LOL

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