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WILLY MILLOWITSCH - Zum 100.

Willy Millowitsch (1909 - 1999)WILLY MILLOWITSCH
(1909 –- 1999)

1) DIE THEATER – DYNASTIE MILLOWITSCH

Die Geschichte der Theaterdynastie Millowitsch begann bereits zum Ende des 18. Jahrhunderts. Im Jahre 1792 betrat Michael Millowitsch als Lohkuchenhändler und Puppenspieler die Kölner Bühne.  Sein Sohn Franz Andreas (1793-1875) übernahm von seinem Vater die Tradition des Puppenspiels, indem er mit seinem kleinen ambulanten Theater an der Deutzer Schiffsbrücke jenen Passanten die Zeit vertrieb, die dort solange warten mussten, wenn die Brücke wegen eines vorbeifahrenden Schiffes geschlossen war.


Willy Millowitsch (1909 - 1999) Seine Konzession galt bis 1894 nur für das rechtsrheinische Köln, danach für die ganze Stadt.
      
Franz Andreas Millowitschs Sohn Johann Caspar (1830-1867) spielte schon in einem festen Haus und erweiterte seinen Wirkungskreis über Köln hinaus.

Er ging mit seinem Vater im gesamten Rheinland auf Tournee und ihr Hänneschen-Puppentheater erfreute so auch die Menschen außerhalb der Domstadt.
      
Wilhelm Josef Millowitsch (1854-1909) revolutionierte das Millowitsch-Teater. Er ließ anstelle von Stockpuppen richtige Schauspieler agieren und erweiterte das Programm.
Neben den bewährten Traditionsfiguren des Stockpuppentheaters wie "Hänneschen" oder "Bestevater" wurden zunehmend Stücke aufgeführt, die der Mode der Zeit entsprachen.
Glänzend gebaute Schwänke, Adaptionen der Weltliteratur oder Parodien aktueller Schauspiel-Novitäten hielten Einzug in das Repertoire der Bühne. Insbesondere die "große Revue" begeisterte die Menschen.
Als berühmteste Produktion des Millowitsch-Theaters dieser Jahre gilt die Revue "IN 80 TAGEN UM DIE WELT“.

1908 mieteten Wilhelm und Emma Millowitsch das "Colosseum" an der Schildergasse, der erste feste Theaterbau der bis dahin herumreisenden Schauspielertruppe, deren Kern die Eltern und die sechs Kinder, darunter Peter, der Vater Willy Millowitsch, bildeten.

Nach Wilhelms Tod im Jahr 1909 übernahm seine Frau Emma Millowitsch (1861-1930) die Leitung der Spielstätte und wurde erfolgreiche Theaterdirektorin.
Die "kölsche Duse" hatte zuvor die weiblichen Hauptrollen der Millowitsch-Bühne gespielt und sorgte nun für die endgültige Etablierung des Namens "Millowitsch" und des dazugehörigen Theaters.
 
Ihr Sohn Peter Millowitsch (1880-1945) wurde 1920 mit der Direktion des Familienunternehmens betraut.
In den krisenhaften Zeiten der Depression und Inflation musste er den mehrfachen Umzug des Theaters veranlassen.
Die Familie Millowitsch und ihre Schauspieler wechselten vom Kristallpalast in die Schildergasse in die Ehrenstraße.
Erst 1936 wurde mit dem Einzug in das Coloniahaus an der Aachener Straße der noch heute bestehende Spielort gefunden.

2) WILLY MILLOWITSCH
Willy Millowitsch  wurde am  8. Januar 1909 als Sohn von Peter Wilhelm Millowitsch und Käthe Millowitsch (geborene Planck)  in Köln geboren.

Als Fünf – oder Sechsjähriger  gab er als Heinzelmännchen sein Bühnen – Debüt.

1923 verließ er die Schule, obwohl er ursprünglich Ingenieur werden wollte, und spielte als Vierzehnjährige seine erste große Rolle in dem Schwank „DAS GOLDENE KALB“.

Die aufkommende Inflation ruinierte das Colosseum-Theater der Familie und die Millowitschs versuchten ihr Glück erneut als wandernde Schauspielertruppe. Dem langsam einsetzenden Aufschwung setzte die Weltwirtschaftskrise 1929 ein jähes Ende.
Willy Millowitsch und sein Vater Peter hielten in dieser zeit die Familie mit kleinen Sketchen über Wasser, die sie im Kino zwischen Wochenschau und Hauptfilm aufführten.

Am 16. Oktober 1936 wurde an der Aachener Straße die „HEIMATBÜHNE MILLOWTISCH“ als feste Spielstätte eröffnet.

Den ersten großen Erfolg errang man mit dem „ETAPPENHASE“. Mit Hilfe des alten Repertoires wie „ET FUSSIG JULCHE“ umging man die der Bühne von den nationalsozialistischen Machthabern zugedachten Propagandaaufgaben.

Seine große Chance bekam Willy Millowitsch  1938  mit 29 Jahren nach vielen, vielen Nebenrollen und auch nur weil sein Vater Peter eines Tages nach dem ersten Akt der Komödie „DAS EKEL“  wegen Nackenschmerzen aufgeben musste.
Die Hauptrolle war jedoch eine Pleite. Niemand fand ihn lustig. Das Publikum rief während der Vorstellung nach dem Vater.

1939 spielte die Theatertruppe des Millowtisch – Theaters vor den Westwallarbeitern. Andere Frontabschnitte folgten und in Abwesenheit seines dominanten Vaters wurde Willy der Star der Truppe. Der fehlten aber schließlich jedoch die Darsteller, die nach und nach eingezogen worden waren.

„Er sah sich immer als Macher. Das war er schließlich auch. Willy hat bei seinem Vater genauso wenig gedurft. Deshalb waren für ihn die Wehrmachts-Tourneen so wichtig, weil er dabei erstmals etwas allein machen konnte.“ (1)

1939 heiratete Willy Millowitsch Linny Lüttgen. Doch die Ehe hielt nicht sehr lange und wurde bald wieder geschieden.

Ein Jahr später übernahm Willy vom Vater die Familienbühne an der Aachener Straße lag und spielte während des Zweiten Weltkriegs weiterhin mit seiner Bühne an der Front.

"Im Auftrag der Partei habe ich jeden Tag woanders gespielt. In Holland, Belgien, Frankreich und in Russland."  (2)

Im Herbst 1944 wurde der Theaterbetrieb eingestellt, doch im folgenden Jahr gelang es Willy und seiner älteren Schwester Lucy das Theater an der Aachener Straße bis Oktober 1945 wieder bespielbar zu machen und den Menschen damit neuen Lebensmut zu geben.

Das Millowitsch-Theater war die erste Bühne, die in Köln wieder bespielt wurde.

Der damalige Oberbürgermeister Konrad Adenauer hatte seinen Einfluss geltend gemacht, damit die Leute wieder was zu lachen haben.

"Fangen Sie bloß wieder an zu spielen, die Leute brauchen was zum Lachen." (3)

Millowitsch und seine Familie schufteten, um das nur teilweise zerstörte Theater wieder aufzubauen; und so nahm mitten in den Trümmern von Köln eine Volksbühne den Betrieb wieder auf, die vor dem Krieg ein geachtetes Etablissement, ein Werk mehrerer Generationen gewesen war. Willy wurde während dieser Zeit sehr schnell zum Idol der Kölner.

"Die Leute schrien ja nach irgend etwas Lustigem. Sie wollten nach diesem Krieg doch irgend etwas Nettes und etwas Unterhaltendes haben.
Und vor allen Dingen vergessen. Und das hatten sie dann ja bei uns, nicht. Bei uns gibt's Lachen, Lachen und noch mal Lachen." (4)

Da die Einnahmen jedoch nicht reichten, wurden zusätzlich noch Kinofilme vorgeführt.
Das Geld wurde auch dringend gebraucht, denn am 28. September 1946 hatte Willy Millowitsch in zweiter  Ehe seine Frau Gerda Feldhoff geheiratet und 1947 wurde er erstmals Vater.

Willy Millowitsch ud seine KinderInsgesamt bekam das Paar vier Kinder: Katarina, Peter, Susanne und Mariele. Peter (geboren am 1. Februar 1949) und Mariele (geboren 23. November 1955), haben das väterliche Interesse an der Schauspielerei geerbt.
Neben Sohn Peter entschied sich auch  die Tochter Mariele nach einem Studium der Tiermedizin für eine Schauspieler-Karriere.
Sie wurde als Hauptdarstellerin  durch ihre Rolen in den Fernsehserien „Girlfriends“  und „Nikola“ zum Publikumsliebling.

Von 1945 bis 1949 wurde täglich gespielt. Zusätzlich dazu gab es ab 1947 auch Kinovorführungen, um die Betriebskosten einzuspielen und den Bühnebetrieb fortsetzen zu können.

"Das Theater Millowitsch hat nie Subventionen bekommen"  (5)


1949 ging der erste Theaterboom in Köln mit der Währungsreform zu Ende, die Menschen verlagerten ihre Interessen, gingen vermehrt ins Kino, und blieben dem Theater zunehmend fern.

Das finanzielle Überleben des Theaters sicherte Willy Millowitsch durch Engagements beim Rundfunk.

3) MILLOWITSCH DER THEATER – UND VOLKSSCHAUSPIELER
1953 gelang Willy Millowitsch wohl der Coup seines Lebens.

Am 27. Oktober 1953 übertrug der NWDR (der Vorgänger des WDR) das Stürck „DER ETAPPENHASE“ live aus dem Millowitsch Theater.
 
Willy mimte in dem Stück darin Anton, der hinter der Front für sich und seine Kameraden einen leckeren Hasen geklaut hat.
Vorgesehen war der schmackhafte Braten für den Oberst, der soll dafür eine Katze vorgesetzt bekommen.

Der Etappenhase (Szenenfoto)Die Übertragung des „ETAPPENHASEN“ aus dem Millowitsch-Theater war die erste Live-Sendung von einer deutschen Bühne.
Die Meinungen darüber waren geteilt. NWDR-Generaldirektor Adolf Grimme nannte das Mundart-Stück "eine Kulturschande". Doch das Publikum war begeistert. Das Stück avancierte zum TV - Straßenfeger.

Sechs Wochen danach stand wieder der Ü-Wagen des Kölner Senders vor dem Millowitsch-Theater und der "Etappenhase" flimmerte zum zweiten Mal über die kleinen Schwarz-Weiß-Bildschirme in der BRD.

Über 1000 Mal hat Willy Millowitschn den „Etappenhasen“ seitdem gespielt, so oft wie kein anderes Stück.

Die Übertragungen aus dem Millowitsch wurden in den nächsten Jahrzehnten fortgesetzt, auch mit anderen Stücken. Mehr als 100 TV-Übertragungen wurde aus seinem Millowitsch - Theater übertragen.

1962 schaffte das Stück "TANTE JUTTA AUS KALKUTTA" eine Einschaltquote von über 88 Prozent.

Willy Millowitsch - Der WerbestarDie zusätzlichen Einnahmen flossen zu einem Gutteil ins Theater wie auch das Geld für Werbung („Botterramm“, „Holland-Hähnchen - Güteklasse Aaaah oder „Bild & Funk“).

In den 1980er Jahren trat der Schauspieler auch vermehrt auf anderen Bühnen auf. 1980 feierten ihn die Theaterkritiker als Herr Jourdain in Molieres „DER BÜRGER ALS EDELMANN“.
Regisseur Rudolf Noelte holte ihn danach ihn für den Totengräber im "HAMLET" ans Bonner Theater.

1986 feierte das Millowitsch – Theater an der Aachener Straße 50jähriges Jubiläum. Drei Jahre später wurde ihm die Ehrenbürgerschaft der Stad Köln verliehen.

Als Prinzipal seines Theaters, auch als Oberhaupt seiner Familie duldete er nur ungern Widerspruch, er bestimmte, wo es langging.
Als Hauptdarsteller hingegen war er stets bereit, sich einzuordnen und andere Auffassungen zu respektieren. Er hatte keine Starallüren.

Erst 1993, als den 84-jährigen Millowitsch ein Hüftleiden plagte, teilte er sich mit seinem Sohn die Führung des Theaters. Bis er sich endgültig zurückzog vergingen weitere drei Jahre. 1998 übernahm sein Sohn Peter das Millowitsch - Theater

„Er war als Vater nicht streng, konnte jedoch ungerecht sein. Er war aber keiner zum Kuscheln. Es hatte dazu auch an Gelegenheiten gemangelt.
In der Zeit, als man kuscheln wollte, hat er Karriere gemacht. War viel auf Tournee, drehte Filme. Da musste man sich entscheiden. Familie oder Karriere. Er hat sich für die Karriere entschieden.“ (6)

4) WILLY MILLOWITSCH DER FILMSCHAUSPIELER
1933 gab Millowitsch in dem Film „WENN MÄNNER KOCHEN“ sein Film – Debüt. Es folgten ab Ende der 1940er Jahre Nebenrollen in Filmen wie „MADONNA IN KETTEN“ (1949), „DER FRÖHLICHE WEINBERG“ (1952), „UNTERNEHMEN SCHLAFSACK“ (1955), „DREI MANN UND EIN PFERD“ (1957) oder „VATER, MUTTER UND NEUN KINDER“ (1958).

Film Bühne - Titelthema: Der wahre Jakob1960 folgte als Bürgermeister Struwe seine erste Hauptrolle in der Komödie „DER WAHRE JAKOB“ (1960)

Zu einer Tagung der Sittlichkeitsvereine reist Dorfbürgermeister Struwe (Willy Millowitsch) in den 20-er Jahren nach Köln. Im Dorf heuchelt er Moral, in der Großstadt will er sich mit dem "freien Leben" vertraut machen.
Struwe lernt die Revuetänzerin Yvette (Renate Ewert) kennen und wirbt um sie selbst noch, als sich herausstellt, dass Yvette die Tochter aus der ersten Ehe seiner Frau Mila, folglich seine Stieftochter ist.
Yvette reist ins Dorf und bereitet dem Heuchler Struwe im Verein mit Mila einen würdigen Empfang, indem sie vorgeben, alles sei völlig normal. Zu einer Tagung der Sittlichkeitsvereine reist Dorfbürgermeister Struwe in den 20-er Jahren nach Köln.
Im Dorf heuchelt er Moral, in der Großstadt will er sich mit dem "freien Leben" vertraut machen. Struwe lernt die Revuetänzerin Yvette kennen und wirbt um sie selbst noch, als sich herausstellt, dass Yvette die Tochter aus der ersten Ehe seiner Frau Mila, folglich seine Stieftochter ist. Yvette reist ins Dorf und bereitet dem Heuchler Struwe im Verein mit Mila einen würdigen Empfang, indem sie vorgeben, alles sei völlig normal.

Film-Bühne Titelthema: Willy, der PrivatdetektivDanach war er u. a. in Filmen wie "WILLY - DER PRIVATDETEKTIV" (1960)

Willy Nölles (Willy Millowitsch) ist nicht nur Besitzer der Gastwirtschaft "Zum Piraten-Willy", sondern auch ein eifriger Leser von Kriminalromanen. Allzu gern möchte er selbst einmal einen Fall eigenhändig klären.
Eines Tages erbt er unerwartet von einem entfernten Verwandten eine Privatdetektei. Heimlich, da seine Frau nichts davon wissen soll, übernimmt er zusammen mit seinem Oberkellner Juppi (Franz Schneider) den ersten Fall.
Im Auftrag eines Versicherungskonzerns sollen die beiden Hobby-Detektive den Geldraub aus dem Tresor des Versicherungsbüros klären.
Willy ahnt nicht, dass es sich bei der Versicherung ausgerechnet um die handelt, die sich seine Gastwirtschaft unter den Nagel reißen will.
Auch die Tatsache, dass es bei den Angestellten seiner Detektei um die Mitglieder jener Diebesbande handelt, hinter der er mit Juppi herjagt, sorgt für turbulente Verwechslungen,

 „DER HOCHTOURIST" (1961)

Direktor Wilhelm Mylius aus Köln ist dem Theater verfallen und rettet ohne das Wissen seiner Familie eine Münchner Kleinbühne vor der Ruin, in dem er diese kurzerhand übernimmt. Die dortige Bühnenleiterin Wilma Dumar kennt ihn lediglich unter dem erfundenen Namen Mühlenbeck.
Um seine häufigen Abstecher in den Süden zu rechtfertigen, behauptet Mylius gegenüber seiner Familie, dass er ein begeisterter Bergsteiger sei. Die schwärmerischen Briefe über seine schweren Bergtouren schreibt er Wort für Wort aus dem Buch eines gewissen Dr. Hans Lindenburg ab.
Kurz vor seinem fünfzigsten Geburtstag weilt Mylius abermals in München, wo er von Wilma Dumar überredet wird, in der hauseigenen Wilhelm Tell-Inszenierung die Titelrolle zu übernehmen.
Die Aufführung wird zu einem Fiasko und ausgerechnet der Buchautor Dr. Hans Lindenburg schreibt eine niederschmetternde Kritik. Mylius, der sich an Lindenburg rächen will, ahnt nicht, dass seine Frau als Geburtstagsgeschenk Mylius' gesammelte Briefe als Buch veröffentlicht hat,

„ROBERT UND BERTRAM“ (1961), „DIE FLEDERMAUS“ (1962) mit Peter Alexander, Marianne Koch und Marika Rökk, „DICKE LUFT“ (1962), „DER ZIGEUNER-BARON“ (1962) sowie „DIE DREI SCHEINHEILIGEN“ (1964) oder „HERRLICHE ZEITEN IM SPESSART“ (1967).

Auch in den 1970er und 1980er Jahren drehte Willy Millowitsch weiterhin Kinofilme. So u. a. „DIE LUSTIGEN VIER VON DER TANKSTELLE“ (1972), „UNSERE TANTE IST DAS LETZTE“ (1973) oder „DIE WILDEN FÜNFZIGER“ und „EIN DICKER HUND“ (1982).

1991 mimte Willy Millowitsch als Brauerei-Besitzer Zach in „PIZZA COLONIA“ seine letzte Filmrolle.

Der Italiener Francesco (Mario Adorf) führt ein Restaurant in Köln, Teilhaber ist der Bierbrauer Zach (Willy Millowitsch). Francesco hat Probleme: Ein "Pate" macht Zach ein Angebot, das er nicht ablehnen kann, die Hochzeit zwischen Francescos Tochter und Zachs Sohn platzt, und seine Frau droht hinter seine Affäre mit Kioskbesitzerin Hilde zu kommen, die immerhin schon 18 Jahre währt…

Autogrammkarte4) MILLOWITSCH DER PLATTENSTAR
Auf dem musikalischem Sektor hatte Willy Millowitsch auch so einiges zu bieten, mit 30 bis 40 Schallplattenproduktionen war er als "Stimmungssänger" überaus erfolgreich

1962, das Jahr der Sturmflut in Hamburg und das Jahr, in dem Vera Brühne zu lerbenslanger Haft verurteilt wird. Das Jahrzehnt wird Zeuge von Willys Aufstieg zum Multimedia-Star. "SCHNAPS, DASS WAR SEIN LETZTES WORT“ verkaufte sich über 900.000 mal,.

Es folgten Hits wie „WIR SIND ALLE KLEINE SÜNDERLEIN“ oder „ICH BIN NE KÖLSCHE JUNG“ mit denen er auf ungezählten öffentlichen Auftritten und Großveranstaltungen nicht nur Generationen von Karnevalisten zum Schunkeln brachte.

Selbst kurz vor seinem Tode war Willy Millowitsch voller Tatendrang und nahm im Sommer 1999 die Titel "Wenn d'r Herrjott nit will", "Das Leben ist doch herrlich" und das Weihnachtslied "Wenn ich su ahn fröher denke" auf, die nach seinem Tode veröffentlicht wurden.

5) KOMMISSAR KLEFISCH
„Ende der achtziger Jahre wollte der WDR, der ihm durch die regelmäßige, erfolgreiche Übertragung der Millowitsch-Premieren (Der keusche Lebemann) verbunden war, dem Mimen zum 80. Geburtstag einen Herzenswunsch erfüllen: endlich einmal eine ernste Rolle, endlich einmal einen Kriminalkommissar zu spielen!
Zu der Zeit hatte ich zwei Folgen für die Fernsehserie Peter Strohm geschrieben und auch einige Kriminalromane veröffentlicht.
Über meinen ersten Fernsehtext hatte die Regisseurin gesagt: In dem Stück wird zu viel geredet. Ich war erstaunt und erfreut, als der Sender mich fragte, ob ich das Kriminalstück für Millowitsch schreiben könne.
Ich entwickelte den ungeschminkt kölschen Charakter des pensionierten Kommissars Hermann-Josef Männ Klefisch, der eher zufällig noch einmal aktiv wird.“ (7)

Kannte das deutsche Fernsehpublikum Publikum den damals fast 80jährigen Willy Millowitsch bisher überwiegend nur als Komödiant und Stimmungskanone, konnte es sich mit dem Tatort – Krimi „EIN FALL FÜR ONKEL“ als KOMMISSAR KLEFISCH von seinen Qualitäten als Charakterschauspieler überzeugen.

In einem Trödelladen auf dem Eigelstein, einem der ältesten Viertel von Köln, wurde der Besitzer, ein ehemaliger Boxer, tot aufgefunden. Die ermittelnden Kriminalbeamten verdächtigen Rudi, einen kleinen Mann aus dem "Veedel", der den Toten entdeckt hat.
Aber Rudi weigert sich, eine Aussage zu machen und verlangt, mit dem "Onkel" zu sprechen. Die Beamten willigen ein, und damit schaltet sich Hermann-Josef Klefisch, in die Ermittlungen ein.
Schon bald aber macht diesem ein anderer Fall zu schaffen: Aus dem Tresor eines Maklers verschwindet eine große Geldsumme und mit ihr auch seine Sekretärin Freya Lugones, eine attraktive Frau um die Fünfzig, mit der Klefisch eine späte Liebe verbindet. Auf eigene Faust ermittelt der Hauptkommissar a.D. auch in diesem Fall und gerät dabei in erhebliche Schwierigkeiten ...

„Es war die Rolle, die dem Kölner Volksschauspieler Willy Millowitsch am meisten am Herzen lag: seine Altersrolle als Kommissar Kleefisch, den er in insgesamt sechs Kriminalfällen verkörperte.
"Ein Fall für Onkel" schlüpfte Millowitsch erstmals in diese Rolle, die ihm Dauerautor Hans-Werner Kettenbach auf den Leib schrieb. Für die solide Inszenierung sorgte Ulrich Stark.“ (8)

Willy Millowitschs überzeugende Darstellung des Kommissar Klefisch kam beim Publikum so gut an, dass in den nächsten Jahren 5 weitere Klefisch Filme entstanden.
Diese Tatort - Krimis zeichneten sich weniger durch Action oder Effekthascherei als vielmehr durch gut durchdachte Drehbücher, sorgfältige Inszenierung und das perfekte Zusammenspiel von Willy Millowitsch und Dietmar Bär aus.

„Willy war ein wenig enttäuscht, weil er eigentlich den aktiven Kommissar in einem Tatort hatte spielen wollen; aber wir überzeugten ihn gemeinsam, dass es in Anbetracht seines Alters so doch besser sei.
Ich nannte, weil es ja ein Geschenk zu einem besonderen Geburtstag sein sollte, mein Exposé Sein letzter Fall.
Aber der WDR und der Produzent Gerhard Schmidt meinten, das sollten wir doch erst einmal abwarten. Es wurden denn auch sieben Fälle daraus. Nur der letzte, in dem Harald Juhnke sein Partner hatte sein sollen, konnte, weil den Hauptdarsteller die Kräfte verließen, nicht mehr gedreht werden.“ (9)

Willy Millowitsch und Dietmar in einem Klefisch-KrimiNach „EIN FALL FÜR ONKEL“ folgten die Komissar Klefisch – Krimis „DIENSTVERGEHEN“ (1991)

Leo Fahnenschmid, ein alter "Kunde" von Kommissar Klefisch, wendet sich vertrauensvoll an den Pensionär, weil er den Unterschlupf des flüchtigen Verbrechers Terboven entdeckt hat.
Dieser hatte mit einem unerkannt gebliebenen Komplizen eine Bank überfallen und dabei einen Angestellten erschossen.
Klefisch gibt die Information an den jungen Kommissar Mike Döpper weiter. Aber als die Kripo vor Ort erscheint, ist der Vogel ausgeflogen.
Die Vermutung liegt nahe, dass Terboven von seiner Freundin Karin, die inzwischen bei Mike Döpper Trost gesucht und gefunden hat, gewarnt wurde.
Karin behauptet zwar, Mike zu lieben, aber der ist verunsichert und spricht sich mit seinem väterlichen Freund Klefisch aus.
Klefisch warnt ihn dringend vor weiteren Kontakten mit der Zeugin und nimmt die Sache selbst in die Hand,


„TOD AM MEER“ (1994)

Sein vierter Fall, führt den passionierten Menschenfreund Klefisch diesmal sogar bis an die nordfranzösische Steilküste.
Der Grund für diese weite Reise ist der Kölner Gemüsegroßhändler Heiderscheidt, der sehr zum Ärger seines Enkels Jens seine gut 30 Jahre jüngere Sekretärin Cilly geheiratet hat. Klefisch soll zwischen den beiden zerstrittenen Parteien vermitteln.
Das aber misslingt gründlich, denn noch bevor Großvater und Enkel sich wieder versöhnen, stirbt der alte Mann.
Und weil es dabei um ein nicht unbeträchtliches Erbe geht, schlagen die Wellen hoch: Jens beschuldigt Cilly, den Tod des Großvaters verursacht zu haben, während Cilly der Meinung ist, dass der Ärger mit dem Enkel dem kränkelnden alten Herren den Rest gegeben habe.
Klefisch ist ratlos und entschließt sich zunächst einmal, der Witwe Trost zu spenden,

oder „KLEFISCHS SCHWERSTER FALL“ (1995)

Die Immobilienfirma City Futura drängt in Klefischs Viertel die Mieter aus den Wohnungen. Wenn einer nicht will, wird nachgeholfen. Im Guten mit etwas Geld, im Bösen mit Terror.
Als ersten trifft es Klefischs Freund Mähling. Seine Wohnung wird verwüstet, er selbst zusammengeschlagen. Noch bevor Klefisch mit dem jungen Kommissar Döpper Täter und Auftraggeber ausfindig machen kann, hat Döpper den großen Fall: Der führende Immobilienhändler Fuhrmann ist vor seinem Haus erschossen worden.
Mehr durch Zufall kommt Klefisch auf eine heiße Spur und damit zugleich in einen tiefen Gewissenskonflikt, denn das Motiv des Täters ist ihm durchaus verständlich...

„Das Kölner Original Willy Millowitsch glänzt hier zum fünften Mal in der Rolle des pensionierten Hauptkommissars Hermann Josef Klefisch. R
egisseur Wolf Dietrich drehte nach dem Buch von Erfolgsautor Hans-Werner Kettenbach einen guten TV-Krimi, der ganz auf den Hauptdarsteller zugeschnitten ist.“ (10)


1996 war Willy Millowitsch in „VORBEI IST VORBEI“ in dem sechsten Klefisch – Krimi in seiner letzten TV – Rolle zu sehen.

Willy Millowitsch bei seinem letzten Auftritt6) WILLY MILLOWITSCHS LETZTER AUFTRITT
1997 hatte Willy Millowitsch in der „Lachenden Sporthalle“ seinen letzten öffentlichen Auftritt, wo er ein frenetisch bejubeltes Comeback als Stimmungssänger feierte, nachdem er im Jahr zuvor durch heftige Hüftprobleme zur Untätigkeit verdammt war.
 
Seine Mitternachtsauftritte bei der größten Karnevalsshow im Fastelovend waren Jahrzehnte lang legendär gewesen. Jetzt wollte  es Willy im Alter von 88 Jahren noch einmal wissen.

Viele der 8000 Jecken in der Deutzer Sporthalle zweifelten bis zuletzt, dass Willy wirklich kommen würde.

Doch wer Millowitsch kurz vor Mitternacht hinter der Bühne erlebte, kaum fähig zu gehen, eingefallen, der glaubte noch viel weniger daran. Mürrisch wartete er auf seinen großen Moment.

Und während da vorne auf dem Podium irgendeine kölsche Stimmungsband aufspielte, spitzte der alte Mann mal kurz die Ohren und grantelte vor sich hin: Mein Potpourri kann keiner toppen. Wer da etwas mitleidig lächelte, erlebte kurz darauf ein kleines Wunder.

Schon während Millowitsch im weißen Dinner-Jackett auf die Bühne geführt und auf einem Barhocker platziert wurde, brandete ein Beifall auf, wie er zu den großen Zeiten der Beatles nicht stürmischer war.

„Wiiiiiieeeeelliiieee“ brüllen die 8000 Jecken jeden Alters immer wieder. Es dauerte eine Weile, bis halbwegs Ruhe herrschte und der Mann am Mikrofon loslegen konnte.

Und dann mochte man seinen Ohren und Augen nicht trauen.

Willy Millowitsch bei seinem letzten AuftrittPlötzlich saß da ein charismatischer Pop-Star, der die Big Band hinter sich mitriss.
„Wir sind alle kleine Sünderlein“, „Rheinische Lieder“, „der Kölsche Jung“, „Schnaps, das war sein letztes Wort“ und all die anderen seiner Hits ließ er swingen. Seine Ehefrau Gerda standhinter der Bühne mit Tränen in den Augen

7) DER TOD VON WILLY MILLOWITSCH
Willy Millowitsch verstarb am 20. September 1999 nach längerer Krankheit im Kölner St. Elisabeth-Krankenhaus (Hohenlind) an Herzversagen.

Am 25. September 1999 wurde er auf dem Melaten-Friedhof in Köln beigesetzt.

Die Totenmesse für den großen Theater- und Volksschauspieler wurde von Weihbischof Dr. Friedhelm Hofmann im Kölner Dom gehalten, was sonst fast ausschließlich kirchlichen Würdenträgern vorbehalten war und ist.

Zum Auszug des Sarges spielte die Domorgel eine Improvisation seines erfolgreiches Liedes I“ch bin ne kölsche Jung“.

Der Trauerzug über Neumarkt und Aachener Straße bis zum Friedhof wurde durch das WDR-Fernsehen live übertragen.

Vor dem Millowitsch-Theater an der Aachener Straße verharrte der Trauerzug zwei Minuten lang, und die Trauernden applaudierten ein letztes Mal für den Schauspieler, der seinem Publikum mit seinen Rollen jahrzehntelang so viel Freude bereitet hatte.

Willy Millowitsch(1) Peter Millowitsch
(2) Willy Millowitsch
(3) Konrad Adenauer
(4) Willy Millowitsch
(5) Willy Millowitsch
(6) Peter Millowitsch
(7) Hans-Werner Kettenbach
(8) Prisma Online
(9) Hans-Werner Kettenbach
(10) Prisma Online

 

© by Ingo Löchel

Bilder: Archiv des Autors

AUSZEICHNUNGEN

1961: Bravo Otto in Gold
1962: Bravo Otto in Silber
1983: Telestar
1984: Bundesverdienstkreuz I. Klasse
1989: Ehrenbürger von Köln
1990: Bambi
1992: Bambi
1994: Willi-Ostermann-Medaille in Gold (höchste Auszeichnung des Kölner Karnevals)
1994: Bayerischer Fernsehpreis (Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten)

 

FILMOGRAPHIE

1. Wenn Männer kochen (1933)
2. Gesucht wird Majora (1949)
3. Madonna in Ketten (1949)
4. Der Tiger Akbar / Panik im Zirkus Williams (1951)
5. Mönche, Mädchen und Panduren (1952)
6. Der Fröhliche Weinberg (1952)
7. Unternehmen Schlafsack (1955)
8. Zwei blaue Augen (1955)
9. Schön ist die Welt (1957)
10. Drei Mann auf einem Pferd (1957)
11. Zwei Matrosen auf der Alm (1958)
12. Zwei Herzen im Mai (1958)
13. Scampolo (1958)
14. Die Landärztin vom Tegernsee (1958)
15. Liebe, Mädchen und Soldaten (1958)
16. Vater, Mutter und neun Kinder (1958)
17. Alle Tage ist kein Sonntag (1959)
18. Lass mich am Sonntag nicht allein (1959)
19. Der wahre Jakob (1960)
20. Willy, der Privatdetektiv (1960)
21. Der Hochtourist (1961)
22. Robert und Bertram (1961)
23. Die Fledermaus (1962)
24. Dicke Luft (1962)
25. Der Zigeuner Baron (1962)
26. Die drei Scheinheiligen (1964)
27. Herrliche Zeiten im Spessart (1967)
28. Heubodengeflüster (1967)
29. Zum Teufel mit der Penne (1968)
30. Paradies der flotten Sünder (1968)
31. Otto ist auf Frauen scharf (1968)
32. Klassenkeile (1969)
33. Charleys Onkel (1969)
34. Warum hab ich bloß 2 x ja gesagt? (1969)
35. Frau Wirtin bläst auch gern Trompete (1970)
36. Die lustigen Vier von der Tankstelle (1972)
37. Alter Kahn und junge Liebe (1973)
38. Unsere Tante ist das Letzte (1973)
39. Der Geheimnisträger (1975)
40. Ein dicker Hund (1982)
41. Die Wilden Fünfziger (1983)
42. European Vacation (1985)
43. Pizza Colonia (1991)


KOMMISSAR KLEFISCH

1.  Tatort – Ein Fall für Onkel (1990) TV
2. Tatort -  Dienstvergehen (1991) TV
3 Tatort -  Ein unbekannter Zeuge (1992) TV
4.  Tatort -  Tod am Meer (1993) TV
5. Tatort -  Klefischs schwerster Fall (1995) TV
6. Tatort - Vorbei ist vorbei (1996) TV


THEATERSTÜCKE

1) Der Etappenhase (1953) (TV)
2) Drei kölsche Jungens (1954) (TV)
3) Das Goldene Kalb (1954) (TV)
4) Das Glücksmädel (1954) (TV)
5) Prinzess Wäscherin: Die rote Jule (1954) (TV)
6) Die Zwangseinweisung (1954) (TV)
7) Der Blaue Heinrich (1955) (TV)
8) Der Verkaufte Grossvater (1955) (TV)
9) Der Keusche Lebemann (1959) (TV)
10) Schneider Wibbel (1959) (TV)
11) Der müde Theodor (1959) (TV)
12) Der kühne Schwimmer (1960) (TV)
13) Im Nachtjackenviertel (1961) (TV)
14) Robert und Bertram (1961)
15) Tante Jutta aus Kalkutta (1962) (TV)
16) Der Pedell (1964) (TV)
17) Drei kölsche Jungen (1965) (TV)
18) Vom Ersten das Beste (1965) (TV)
19) Der Raub der Sabinerinnen (1966) (TV)
20) Der doppelte Moritz (1966) (TV)
21) Das Rote Tuch (1966) (TV)
22) Paris ist eine Reise wert (1966) (TV)
23) Der kühne Schwimmer (1967) (TV)
24) Der ungläubige Thomas (1967) (TV)
25) Der Meisterboxer (1968) (TV)
26) Die Kartenlegerin (1968) (TV)
27) Der Etappenhase (1969) (TV)
28) Guten Rutsch! (1969) (TV)
29) Karneval am Rhein (1970) (TV)
30) Die Blume von Hawaii (1971) (TV)
31) Glückspilze (1971) (TV)
32) Sohn gegen Vater (1972) (TV)
33) Zufall, alles Zufall oder Die vertagte Hochzeitsnacht (1972) (TV)
34) Schöne Grüße von Adelheid (1972) (TV)
35) Meine Schwester und ich (1975) (TV)
36) Filmmusik aus deutschen Landen (1976) (TV)
37) Otto der Treue (1977) (TV)
38) Der doppelte Moritz (1977) (TV)
39) Der müde Theodor (1979) (TV)
40) Das kleine Hotel (1981) (TV)
41) Mein Sohn, der Minister (1982) (TV)
42) Der blaue Heinrich (1983) (TV)
43) Das Glücksmädel (1984) (TV)
44) Waidmannsheil (1985) (TV)
45) Die spanische Fliege (1986) (TV)
46) Die vertagte Hochzeitsnacht (1987) (TV)
47) Das Mädchen aus dem Fahrstuhl (1987) (TV)
48) Tante Jutta aus Kalkutta (1990) (TV)
49) Der Raub der Sabinerinnen (1991) (TV)
50) Unser Freund Anton (1991) (TV)
51) Der Etappenhase (1991)  (TV)
52) Der keusche Lebemann (1992)
53) Pension Schöller (1993) (TV)


FERNSEHEN

1. Die Donau Geschichten (1966) TV –Serie
2. Hei-Wi-Tip-Top (1971) TV – Serie
3. Klimbim (1 Folge, 1976)
4. Oh, dieser Vater (1978) TV – Serie
5. Erbin sein - dagegen sehr  (1985) TV – Serie
6. Heidi und Erni (1 Folge, 1990)
7. Die Weltings vom Hauptbahnhof-Scheidung auf Kölsch (1994) TV - Serie

3 Rezensionen

Tante Jutta aus KalkuttaTANTE JUTTA AUS KALKUTTA
Darsteller: Willy Millowitsch, Peter Millowitsch
Soulfood Music Distribution GmbH / Mondo Entertainment Produktionsjahr: 1990
Spieldauer: 89 Minuten

Dr. Hans Schmitz (Peter Millowitsch) ist ein aufstrebender Rechtsanwalt von Beruf und sonst ein Filou, was natürlich ins Geld geht.
Zu seinem Glück jedoch gibt es im Kalkutta eine vermögende Tante, die sich zwar anpumpen lässt, für erbetene Zahlungen aber Gegenleistungen in Form eines anständigen, bürgerlichen Lebens erwartet.
Was liegt also näher, als peu à peu eine Ehefrau, ein Kind (selbstverständlich einen Sohn), einen zu versorgenden Schwiegervater und alle die damit verbundenen finanziellen Verpflichtungen zu erfinden und so den jährlichen Geburtstagsscheck von Tante Jutta aus Kalkutta zu sichern.
Diesmal jedoch bleibt der aus und stattdessen kommt die Tante selbst. In höchster Not muss da der befreundete Schauspieler Emil Brückner als Ehefrau Eva, das Kind seines Hausdieners als Sohn Persival und der Klient und Einbrecherkönig Anton Kühlkopp (Willy Millowitsch) als ehrenwerter Schwiegervater fungieren, auch wenn der nicht weiß, wie ihm geschieht.

Auch wenn Willy Millowitsch in dieser Neuinszenierung des Stückes „TANTE JUTTA AUS KALKUTTA“ schon über 80 Jahre alt war, bewies er in seiner Rolle als Anton Kühkopp, dass er selbst im hohen Alter noch eine unübersehbaren und ungebrochene Bühnenpräsenz besaß, die jeder spürt, wenn er sich das Stück anschaut.

Fazit: Wer die Stücke mit Willy Millowitsch mag, wird auch diese Neuinszenierung lieben.

Pension SchöllerPENSION SCHÖLLER
Darsteller: Willy Millowitsch, Ruth Brück, Karin Pittner, Eugen May, Barbie Millowitsch-Steinhaus
Soulfood Music Distribution GmbH / Mondo Entertainment GmbHProduktionsjahr: 1993
Spieldauer: 86 Minuten

Anton Klapproth (Willy Millowitsch), Besitzer einer Flugentenfarm, ist endlich wieder in der Großstadt, Sinnbild pulsierenden Lebens, Zentrum ersehnter Aufregungen, Sensationen und Abenteuer!
Besonders fasziniert ist er von den Typen, die bei ihm zu Hause so selten sind, in der Stadt jedoch auf Schritt und Tritt anzutreffen sein sollen: Er hätte nämlich vor einige Zeit einen außerordentlich fesselnden Artikel über Heilanstalten für Geisteskranke gelesen und eine Soirée in einem solchen Etablissement soll das Interessanteste sein, was man sich denken kann .
Sein Neffe Alfred erhält gegen die Zusage eines nicht unbeträchlichen Kredites den Auftrag zur Umsetzung dieses ungewöhnlichen Anliegens.
Da trifft es sich gut, dass in der Pension des Militärkappellmeisters in Ruhe, Schöller, ein Gesellschaftsabend mit Künstlern, Malern, Exzentrikern und Großstadtpflanzen verschiedenster Couleur stattfinden soll.
Anton Klapproth sieht seine Erwartungen auf das Aufregendste erfüllt. Als aber die Patienten eines Tages bei ihm auf der Flugentenfarm auftauchen, vergeht ihm das Lachen.
Bild


Die Neuinszenierung des Stückes „PENSION SCHÖLLER“ wurde am 9. Juli 1993 zum ersten Mal in der ARD ausgestrahlt.

Die Rolle des Anton Klapproth, seines Zeichens Besitzer einer Flugentenfarm, in dem Stück ist Willy Millowitsch wie auf den Leib geschrieben.

Der Schauspieler wirkt in „PENSION SCHÖLLER“ viel agiler und frischer als in „TANTE JUTTA AUS KALKUTTA“„DER ETAPPENHASE“ und zeigt darin noch einmal , was er als geborener Volksschauspieler noch so alles drauf hat. oder

Fazit: Sehr schöne Inszenierung, in der Willy Millowitsch noch einmal voll aufdreht.

Pizza ColoniaPIZZA COLONIA
Darsteller: Mario Adorf, Willy Millowitsch
Regie: Klaus Emmerich
Komödie

Deutschland / Italien 1991

Francesco (Mario Adorf) kann sich nicht entscheiden, weder zwischen seiner Frau und seiner Geliebten noch zwischen Deutschland und Italien.

Doch nun häufen sich die Probleme um seine Familie und das „Ristorante Francesco“. Seine Frau Severina fällt aus allen Wolken, als sie erfährt, dass Francesco sie seit 18 Jahren betrügt.
Als dann noch der alles beherrschende Padrino aus Italien auftaucht, gerät alles aus dem Ruder.

„PIZZA COLONIA“ war der letzte Kinofilm, in dem Willy Millowitsch mitgewirkte. Zwar hat der Schauspieler in dem Film leider nur ein paar wenige Auftritte, doch die haben es in sich.

Mario Adorf brilliert in der Rolle des Francesco, der hin und her gerissen ist zwischen seiner Frau und seiner Geliebten sowie seiner Wahlheimat Köln und seiner italienischen Heimat.
Nach allerhand Verwicklungen und Rückschlägen entscheidet er sich schließlich für seine ‚Heimat’ Köln und für seine Ehefrau.

Adorf und Millowitsch ergänzen sich in der Komödie „PIZZA COLONIA“ hervorragend. Die wenigen Auftritte im Film, wo die beiden Schauspieler zusammen agieren, gehören zu den Highlights des Films.

Sehr schade, dass die beiden großen Schauspieler nicht mehr Filme zusammen gedreht haben.

Fazit: PIZZA COLONIA ist eine Komödie, die zwar nicht immer den Geschmack der Zuschauer trifft, aber durch die brillanten Darstellungen von Mario Adorf und Willy Millowitsch wieder versöhnt werden.

Kommentare  

#1 Norbert 2009-02-10 09:42
Mein Herz hämmert. Danke Ingo.
Kaum ein jüngerer Mensch kann ermessen, was dieser Mann für uns, auch als Jugendliche, bedeutet hat. Auch wenn er manchmal etwas albern war, so konnte er aufgrund seiner enorm charismatischen und bodenständgen Präsenz immer wieder begeistern. Ein grosser und grossartiger Volksschauspieler.
#2 Valerius 2009-02-10 13:02
Ja, das war Willy wirklich. Ich bin ja so zu sagen mit Willy Millowitsch aufgewachsen.
Und noch Ende der 1980er Jahre bis weit hin in die 1990er Jahre gehörten seine Theaterstücke zum Standardprogramm im WDR-Fernsehen.
Warum die heute nicht mehr gesendet werden, tja, die Frage stelle ich mir schon seit Jahren, wenn ich mir die wirklichen ärmlichen Stücke von seinem Sohn Peter im Fernsehen anschaue.
Ich glaube Willy würde sich im Grab herumdrehen, wenn er wüsste, was Peter aus dem Millowitsch - Theater gemacht hat.
Auch das Programm zum 100. Geburtstag von Willy war auch mal wieder ein Armutszeugnis.
Ein Klefisch - Krimi und das am Donnerstag Abend sehr spät. Ein einziger Schwank am Sonntag und der Rest waren Wiederholungen von Sendungen von Willy, die überhaupt nicht im geringsten informativ waren. Und diese Sendungen wurden bis einschließlich Sonntag Abend auch noch mehrmals wiederholt.
Hatte der WDR nicht einmal das größte Filmarchiv in Europa? Davon mehre ich aber seit vielen Jahren nichts mehr.
#3 Dolmial 2009-02-12 20:39
Ich bin tief geruehrt von Willies letztem Auftritt zu lesen!
Obwohl und gerade deshalb weil ich ihn nur vom Fernseher meiner Eltern her kenne, hat der koelner Schauspieler meine Jugend und die Fernsehabende gepraegt wie kein anderer. Von allen verflossenen Stars, Harald Juhnke, Heidi Kabel, Hanns Rosenthal und dem Typ von Musik ist Trumpf, war mir Willie immer der liebste. Good Bye. And may Gods Love be with you!
#4 View Web Page 2014-03-20 06:52
Vielen Dank für den Artikel. Ich lese eure Webseite
wahrhaftig oft und wurde kaum enttäuscht. Bleibt dran und bis in Zukunft!
Apropos: Im Firefox läuft zauberspiegel-online.de nicht so prall.
Mag man da was tun? Den Internetbrowser nutzen doch viele Webuser.
Alles Liebe aus Little Addington !
#5 Robert Blum 2014-07-31 11:40
Danke,
für so eine gute Recherche.
Auch ich bin mit Willy Millowitsch, Peter und Marie-Luise aufgewachsen. Op der schääl Sick. Darum habe ich dem Willy Millowitsch einen Stimmungs-Karnevalls-Marsch "Dat Wor De Willy" Text und Musik Roberg Blum aus Köln geschrieben.
Ich hoffe, wenn ich mit meiner Ausbilung im Sept. als Musikmanager-Executive-Prkducer 2014 vertig bin, finde ich einen "Kölner Musikverlag" der sich dafür interessiert.
Bis dahin,...danke Willy,...mach et jot, bis bald.
Robert Blum
MISTER-TRUMPET § 296 Abs. 3 Satz 1 
#6 Rüdiger 2016-10-13 18:03
Und jetzt ist das Kölner Millowitsch-Theater in ernsten Schwierigkeiten ... von drohender Schließung ist die Rede ... zu Willys Lebzeiten undenkbar.

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