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Flewelling, Lynn: Die prophezeite Königin - Tamír Triad III

Cover zu Die prophezeite KöniginDie prophezeite Königin – Tamír Triad III
(The Oracle's Queen)
von Lynn Flewelling
aus dem Amerikanischen von Michael Krug
617 Seiten; 15,95 €
ISBN: 978-3-902607-18-8
Erschienen: Herbst 2009 (Deutschland); 2006 (USA)
Otherworld Paperback

»Die prophezeite Königin« ist der dritte und letzte Teil von Lynn Flewellings viel beachteter Fantasysaga »Tamír Triad«. Zum Verständnis des Romans empfiehlt es sich dringend, zunächst die ersten beiden Teile der Trilogie, »Der verwunschene Zwilling« und »Die verborgene Kriegerin«, zu lesen, da im Grunde alle Handlungsstränge in diesen Büchern ihren Anfang finden und alle wichtigen Personen dort eingeführt werden.

»Die prophezeite Königin« knüpft unmittelbar an den Vorgängerroman an. Flewelling entführt ihre Leser erneut in ein wundervolles, spannendes High Fantasy-Abenteuer, das den Leser auch im dritten Teil von der ersten Zeile an in seinen Bann zieht.

Zum Inhalt: Schon vor langer Zeit hat die Hexe Lhel Tamír gestanden, dass sie kein Junge ist, sondern dass der Körper, in dem sie zu leben glaubt, nur eine Illusion darstellt. Nun endlich ist es der Prinzessin erlaubt, ihr Geheimnis zu enthüllen. Ein magisches Feuer verbrennt die Maske Tobins und offenbart Tamírs wahres Selbst, ganz so, wie es vor langer Zeit prophezeit wurde.

Doch auch wenn die Enthüllung vielen Einwohnern Skalas neue Hoffnung gibt – sollte Tamír den Thron besteigen, der ihr von Rechts wegen zusteht, dann, glaubt man einer Weissagung, würde das krisengebeutelte Reich zu neuer Blüte erstarken –, so gibt es doch viele, die der Verwandlung mit Skepsis gegenüberstehen. Allen voran Tamírs Cousin Korin, der amtierende Regent von Skala, ist nicht gewillt, die Königswürde so einfach aufzugeben. Ein Bürgerkrieg droht, der die ohnehin darbende Nation in den Abgrund führen könnte.

Doch auch unter Tamírs Anhängern und sogar unter ihren Freunden herrschen Zweifel. Wird es der jungen Kriegerin gelingen, das Reich zu einen, bevor es in den Wirren des Krieges seinen Untergang findet?

Mit »Die prophezeite Königin« ist Flewelling ein würdevoller Abschluss für ihre grandiose »Tamír Triad«-Trilogie gelungen. Virtuos führt die Autorin alle offenen Handlungsstränge zu einem großen, durch und durch stimmigen Finale.

Flewellings große Stärken sind ihre überzeugenden, wunderbar ausgearbeiteten Charaktere sowie ihr eingängiger Erzählstil, der von Übersetzer Michael Krug auch diesmal wieder vortrefflich eingefangen und übertragen wurde. Die Amerikanerin versteht es, mit wenigen Worten eine phantastische Welt vor den Augen ihrer Leser zum Leben zu erwecken, in der man sich schon nach wenigen Zeilen verliert. Von hitzigen Debatten bis hin zu epischen Schlachtszenen, Flewelling beherrscht jegliches Szenario und vermittelt es in eindringlichen Bildern an ihre Leserschaft.

Was die Protagonisten anbetrifft, so darf man sich einmal mehr auf exzellent ausgearbeitete, starke Charaktere freuen. Die Probleme und Nöte, die die Figuren haben, werden dem Leser mit viel Fingerspitzengefühl präsentiert. Besonders beeindruckend ist dabei die Art und Weise, wie Flewelling ihre Helden mit der Wandlung Tobins in Tamír umgehen lässt. Hierbei stellt sie ein weites Feld von unterschiedlichen Emotionen und Ansichten zur Schau, was dem Roman zu einer wundervollen Komplexität verhilft.

Als außerordentlich gelungen empfand ich persönlich die Beschreibung der Schicksale, die Flewelling ihren Figuren andichtet. Viele Charaktere überstehen die Ereignisse dieses Romans, so manche Person stirbt. Gemeinsam ist allen, dass es der Autorin sehr gut gelungen ist, die Einzelschicksale glaubwürdig zu beschreiben. Das gilt allen voran für das Schicksal des Zauberers Niryn, das sich vollkommen anders entwickelt als zunächst vermutet.

Die Story als solche ist spannend, kann jedoch nicht ganz mit dem Einfallsreichtum der beiden Vorgängerromane mithalten. Nachdem sie in den ersten Teilen der Saga häufig auf unkonventionelle Handlungsbögen zurückgegriffen hat, setzt Flewelling in »Die prophezeite Königin« verstärkt auf vertrautere Elemente aus dem Genre der High Fantasy. Von Beginn an wird dem Leser deutlich gemacht, dass der Roman auf eine große, alles entscheidende Schlacht hinausläuft, und auch sonst weicht die Geschichte eher selten von altbekannten Pfaden ab.

Nicht, dass das schlecht wäre; dass es einer Saga nicht zum Nachteil gereichen muss, im letzten Band gewissermaßen auf Nummer sicher zu gehen und die klassischen Elemente des Genres zum Einsatz zu bringen, hat David B. Coe in seiner hervorragenden Reihe »Winds of the Forelands« eindrucksvoll bewiesen. Auch der »Tamír Triad«-Reihe schadet dieser Schachzug nicht. In Sachen Originalität muss man dadurch zwar Abstriche hinnehmen. Die einmalige Atmosphäre des Epos zeigt sich davon allerdings unberührt und nimmt den Leser im selben Maße gefangen wie schon in den Vorgängerromanen.

»Die prophezeite Königin« ist ein beeindruckendes, bewegendes High Fantasy-Abenteuer, wie man es heutzutage, wo Urban Fantasy und Sagas mit einer allzu plakativen "Hauptsache-es-kracht"-Mentalität den Markt beherrschen, viel zu selten findet. Flewelling ist mit ihrer »Tamír Triad«-Trilogie ein famoses Fantasyabenteuer gelungen, das sich Leser von Tad Williams, David B. Coe oder Robin Gates auf keinem Fall entgehen lassen sollten.

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