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Ballhaus, Alexander - Liebe und Sex im Mittelalter

Ballhaus, Alexander - Liebe und Sex im MittelalterLiebe und Sex im Mittelalter
von Alexander Ballhaus
 
Mittelalter - Liebe - Sexualität ... bei diesen drei Schlüsselbegriffen tauchen mit einer  gewissen Wahrscheinlichkeit Bilder vor dem inneren Auge auf.  Schlagworte wie "Hohe und Niedere Minne", "Recht der ersten Nacht", "Sex hinter Klostermauern" fallen einem ein. Wenn man dann zu einem populärwissenschaftlichen Buch zu diesem Thema greift, ist vermutlich auch ein Stückchen "Schlüssellochneugierde" dabei. Alexander Ballhaus, als studierter Historiker und Philosoph hat sich ein weites Feld vorgenommen.


Dies beginnt schon mit der Frage, was denn überhaupt "Mittelalter" ist, und ob man eine Epoche von so langer Dauer überhaupt mit einem Buch mit 285 Seiten in erschöpfender Tiefe abarbeiten kann. Zwangsläufig bleibt so ein Buch dann zwar auch interessant, aber ein wenig unbefriedigend. 

Was habe ich erwartet? Dies zu sagen ist nicht ganz einfach, denn irgendwas weiß man ja schon über das Thema (siehe Einleitung). 

Sei es die Behauptung, dass das "Ausmaß der Diesseitsverneinung und Jenseitshoffnung" im "Erbe der antiken Welt" und der "zügellosen Sinnlichkeit des späten Roms" (S. 14) zu suchen sei, oder die Abschnitte über die Thematik des Zölibats und die Realität sexueller Ausschweifung im Vatikan sowie real existierende Geschlechtlichkeit in Klöstern oder Pfarrhäusern. 

Während Ersteres kaum für das gesamte mittelalterliche Europa behauptet werden kann, trägt Letzeres den reißerischen Titel "Venus im Vatikan" und wartet mit Sätzen auf wie "Es ist recht wahrscheinlich, dass (...) sich außerhalb der Klostermauern manches Gebüsch findet, wo man sich von der strengen Disziplin erholt" (S. 251).  Die Aussage "Das Kloster schafft geradezu einzigartige Voraussetzungen dafür, dass ein sinnliches Klima entsteht. Große seelische und körperliche Spannungen bringen das sogenannte Laster zum Blühen" (S. 252). Eine Aussage, die mir ohne jede Begründung bleibt.

Bei einigen Behauptungen bleibt Ballhaus mir eine Anmerkung schuldig, in der er seine Aussagen begründet, so zum Beispiel bei dem "Ziel eines homogenen Weltbildes", das die Kirche versucht habe zu erreichen (S. 20).

Dieser ständig weiter treibende Absturz des Buches in Worthülsen ("Sexuelle Aktivität im Kloster läuft kaum anders ab als in den Bauernkaten, den Handwerksstuben, den Bade- und Freudenhäusern" S. 252) ist gerade deshalb so schade, da es eine ganze Reihe an wirklich interessanten und gut recherierten Darstellungen und Themenbereichen gibt, die man irgendwann nur noch marginal wahrnimmt.

Bei mir ging beispielsweise der Beichtspiegel des Jesuiten Antonio Escobat y Mendoza fast unter, da ich in dem Kapitel dann nur noch mehr oder weniger lustlos herumlas. 

Dies ist gerade deshalb so schade, da ich zeitgleich das Buch "In Liebe und Zorn " zum Mittelalter las, in dem es sehr konkret um Leben und Alltag ging, dargestellt anhand von Originalbriefen aus jener Zeit. Die erhoffte Ergänzung und Bereichung durch ein "Begleitbuch" blieb in weiten Teilen aus.

Liebe und Sex im Mittelalter
von Alexander Ballhaus
Hardcover
285 Seiten, 22,95€
Erstauflage  Februar 2009
ISBN-13: 978-3785723517
Verlagsgruppe Lübbe (Lübbe)

 

Kommentare  

#1 Pisanelli 2009-04-13 21:08
Der angeblich so "besondere" Sex im Kloster und die angeblich übersteigerte "sinnliche Stimmung" im Kloster wurde schon zu Zeiten der Säkularisierung massiv gegen Klöster und Klostergemeinschaften aufgefahren. Es war eines der "Argumente", warum Klöster aufgegeben werden sollten, da sie eine "moralische Gefahr" für die Umwelt in sich bargen. Es gibt da sehr interessante Literatur drüber, ich habe da mal ein Seminar drüber gehabt. Vieles ist einfach an den Haaren herbeigezogen oder böse bzw instrumentalisierte Nachrede bzw. maßlos übertrieben. Leider haben sich viele dieser Texte bis heute gehalten - und werden immer noch ernst genommen bzw. haben eine gewisse literarische Tradition begründet. Auch hier muss man relativieren. War aber eines der interessantesten Seminare, die ich jemals hatte ;)

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