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von Holzen, Aleta-Amirée - A PIRATE'S LIFE FOR ME!

von Holzen - A Pirate's Life For Me!A PIRATE'S LIFE FOR ME!
VON THE BLACK PIRATE BIS PIRATES OF THE CARRIBEAN -
ABENTEUERKONZEPTE IM PIRATENFILM
von Aleta-Amirée von Holzen

Der Untertitel schummelt ein ganz kleines bisschen. Zwar greift die Autorin auf die frühen Piratenfilme zurück, schon um eine Grundlage für die späteren Einzelbesprechungen zu haben, aber in erster Linie geht es um den Piratenfilm der Neuzeit, beginnend mit der Klamotte Yellowbeard (Dotterbart, 1983) bis zum aktuellen Stand der Pirates of the Caribbean (Piraten der Karibik, 2003-2007).

Aber – das stellt der Untertitel richtig fest – es geht hier weniger um die historische Abhandlung eines weitestgehend in Vergessenheit geratenen Sub-Genres des Abenteuerfilms, sondern vielmehr um dessen Mechanismen, Figuren und Handlungen.

Der Text des Buches ist sehr komplex und nicht für jede Leserschicht goutierbar. Man darf vor allem keine vor gefassten Gedanken haben, denn sonst hadert man sehr schnell mit dem Stoff. Wer sich jedoch auf dieses Buch ohne Vorbedingungen einlässt, kann sich nach einiger Zeit der Faszination des Stoffes nicht entziehen.

Zunächst einmal ist es interessant, dass sich eine Frau des von Männern dominierten Genres annimmt. Sehr wahrscheinlich ist es auch besser so, denn die Sicht eines Mannes hätte vermutlich durch eine rosarote Brille stattgefunden - und natürlich eine ganz andere Gewichtung gesetzt. Es wäre zum Beispiel sicherlich auch besser, wenn ein Mann ein Buch über den Liebesfilm schreiben würde, da er in der Regel eine deutlichere Distanz wahren könnte.

Aber zum Buch.

Es war zunächst etwas schwierig, mich in dieses Buch einzulesen, interessiere ich mich doch mehr für Filmhistorie als für die Filmanalyse. Aber, und das ist dem Buch erst einmal hoch anzurechnen, ich fand sehr schnell Gefallen daran, etwas tiefer in die Stoffe und deren Analyse einzusteigen.

Geboten wird zunächst eine Definition der Grundlagen, sprich das Abenteuer selbst und der Pirat, wie er sich in dieser Welt darstellt. Danach bekommt man einen Überblick bezüglich der Literatur, die es über reale wie irreale Piraten gibt. Es folgt eine exzessive Betrachtung zur Entwicklung des Piratenfilms in Hollywood. Schließlich bekommen wir Einzelbesprechungen jener Filme, die seit 1983 aus den USA kamen und über unsere Kinoleinwände flimmerten.

 

Die realen Piraten kommen dabei etwas zu kurz, aber das ist kein Manko, da es um sie ja auch gar nicht geht.

Schon früh fällt aber ein formelles Manko auf, das beim Lesen zuweilen äußerst hinderlich sein kann. Man muss zwar bedenken, dass der Text dieses Buches eine nur leicht überarbeitete Uni-Abschlussarbeit ist. Aber was dort geht funktioniert nicht immer auch in einem Buch. Man wird erschlagen von derart vielen Fußnoten, dass sie das Lesen häufig unterbrechen. Die ständigen Querverweise auf Textstellen in fremden Büchern, von denen der Leser dieses Buches vermutlich mindestens 90% nicht im Bücherschrank hat, stören zunächst. Hat man sich erst einmal daran gewöhnt, überliest man es einfach.

Ich möchte gleich noch ein weiteres Manko aufführen, das den Lesefluss zuweilen ebenfalls unterbricht. Nun ist es sicherlich sinnvoll und für eine Analyse vielleicht unabdingbar, dass Dialogzitate Romanen oder Filmen in Englisch sein müssen (wenn eben die Vorlagen englisch sind). Man kann jedoch nicht erwarten, dass jeder Leser des Englischen mächtig ist. Viele dieser Dialogzitate verlangen mehr als Schulenglisch. Für die Abschlussarbeit mag das Original nötig gewesen sein, für das Buch wäre eine Übersetzung (und sei sie nur im Anhang mitgeliefert) von Vorteil. Der ständige Wechsel vom deutschen Text in englische Dialoge wirkt sich zuweilen sehr störend aus – selbst für jemanden, der Englisch kann, denn man muss immer wieder umdenken. Und was wäre passiert, würde der Stoff sich internationaler geben. Wären dann die Zitate bunt gewürfelt in z.B. Italienisch, Französisch und Japanisch?

Der Aufbau des Buches ist vorbildlich. Mehr als ein Mal hatte ich während des Lesens den Wunsch, dass andere Autoren ebenfalls so sorgfältig bei ihren Sachbüchern vorgehen würden. Man wird langsam, aber sehr bestimmt, an die Sache herangeführt. Hat man erst einmal die Grundlagen gelesen, die sehr ausführlich sind, kann man den weiteren Text ohne Probleme verfolgen. Kein Leser sollte voreilig sein. Die Schlüsse, zu denen die Autorin in den Einzelbesprechungen kommt, fussen immer auf diesen Grundlagen der Abenteurer bzw. des Abenteuers. Deshalb ergibt es keinen Sinn, wenn man sich nur auf die Filme stürzt.

Die Abhandlung des klassischen Hollywood-Piratenfilm geschieht auf andere Weise als gewohnt. Es gibt keinen chronologischen Fortlauf und die Schauspieler und Regisseure spielen in der Regel keine Rolle. Es geht allein um die Sache. Kein einziger Film wird in seiner Qualität beurteilt, sondern es wird rein der Inhalt mit den Grundlagen verglichen und herausgestellt.

Bei den Einzelbesprechungen verhält es sich ähnlich. Hier kann manch ein Leser so seine Überraschung erleben. Es beginnt mit der Klamotte Yellowbeard, die im deutschen Sprachraum durch ein einziges Synchro-Dialogwort zum Klassiker wurde („Titten“). Dass aber der Film mehr zu bieten hat, weiss die Autorin gründlich und sehr schlüssig zu beweisen. Auf der Basis dieser Besprechung werde ich mir den Film gern noch einmal ansehen.

Bei Cutthroat Island (Die Piratenbraut, 1995) fällt die Autorin am Anfang etwas aus dem Rahmen. Wurden die vorherigen Filme rein sachlich abgehandelt, so wird hier deutlich, dass sie den Film mag und es zutiefst bedauert, dass er sowohl in den Kinos wie auch später auf Video so gefloppt ist (Die DVD-Veröffentlichung hat ebenfalls niemand zur Kenntnis genommen). Die weitere Besprechung des Films ist dennoch frei von persönlichen Vorlieben und kann in ihrer Schlüssigkeit ebenso überzeugen wie die vorherigen.

Ein Drittel des Buches nimmt schließlich die Trilogie um die Pirates of the Caribbean ein. Das wirkt zunächst im Verhältnis zu den vorherigen Filmen ungerecht, ergibt aber durchaus Sinn. Diese Filme dürfte wohl so ziemlich jeder, der das Buch in die Hand nimmt, kennen. Somit ist die Besprechung und Analyse mit den einmal geschaffenen Grundlagen für den Leser leichter nachvollziehbar als etwa bei Yellowbeard, den heutzutage die Wenigsten kennen dürften. Überdies bekommt man durch das Buch einen Blickwinkel geboten, den keiner (mich eingeschlossen) beim Anschauen der Filme in Betracht gezogen hat – Nun ja, normalerweise sieht man sich Derartiges auch nicht an, um es wissenschaftlich zu analysieren. Die Autorin tritt damit aber den Beweis an, dass solche Filme mehr sein können als bloße Bilderbögen.

 

Interessant ist nebenbei, dass die Autorin einige Gemeinsamkeiten mit dem weitgehend unbekannten Film Savage Islands (Insel der Piraten, 1983) feststellt und deshalb diesen Film der Besprechung voranstellt. Um diese Gemeinsamkeiten selbst auch erfassen zu können, sollte man nach der Besprechung des ersten Pirates of the Caribbean dieses Kapitel noch einmal lesen. Man kann erstaunliche Parallelen sehen.

Abschließend muss ich sagen, dass ich das Buch sehr faszinierend fand/finde. Es ist etwas für Leute, die mehr sehen wollen als nur die laufenden Bilder. Sicherlich erscheint der Text manchmal etwas schwierig, aber hat man sich erst einmal darauf eingestellt, kann man ihm jederzeit folgen.

Das Buch ist rein gar nix für die Cinema-Fraktion. Denn weder geht es um die tollen Effekte noch um die Darsteller der Filme. Sie erfahren auch nichts über Johnny Depp, sondern lediglich Einiges über die von ihm dargestellte Person des Jack Sparrow. Und viele tolle Bilder gibt es hier auch nicht zu bestaunen, was ich für einen großen Pluspunkt des Buches halte, da so etwas zu sehr vom Text ablenkt.

Bei einer eventuellen Neuauflage oder Erweiterung/Überarbeitung sollte man durchaus darüber nachdenken, eine Übersetzungsbeilage mitzuliefern und den Text etwas umschreiben, um die Fußnoten einzudämmen.

Ansonsten ist es absolut empfehlenswert.

Zum Interview mit der Autorin

A PIRATE'S LIFE FOR ME!
VON THE BLACK PIRATE BIS PIRATES OF THE CARRIBEAN -
ABENTEUERKONZEPTE IM PIRATENFILM
von Aleta-Amirée von Holzen
336 Seiten – Paperback – 24,80 Euro
Zürich, 2007 – ISBN 978-3-9521172-4-8
erhältlich u.a. via Amazon-Marketplace
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