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Manchmal treibe ich den (...) Leser (...) an den Rand des Wahnsinns - (PR, Bände 2541 - 2542)

Perry Rhodan ... das Universum und ich»Manchmal treibe ich den (...) Leser (...) an den Rand des Wahnsinns«
Interview mit Arndt Ellmer
Perry Rhodan, Bände 2541 - 2542

Er ist die Schnittstelle zwischen Leser und Redaktion: Wolfgang Kehl alias Arndt Ellmer, seines Zeichens Betreuer der PERRY RHODAN-Leserseiten seit Band 1450. Dass Arndt, der ja bekanntermaßen nicht nur die LKS zu verantworten hat, sondern regelmäßig auch Romane für die größte SF-Serie der Welt beisteuert, trotz seines enormen Workloads noch die Zeit fand, dem Zauberspiegel einige Fragen zu beantworten, freut mich ganz besonders. Was der Autor über seine Werke und seine Tätigkeit im Rahmen der Leserbetreuung alles zu erzählen weiß, könnt ihr im Folgenden nachlesen. Viel Vergnügen dabei!

 

Wolfgang Kehl aka Arndt EllmerZauberspiegel: Hallo Arndt. Es freut mich, dass du trotz deiner umfassenden Tätigkeiten im Rahmen von PR die Zeit findest, dich den Fragen des Zauberspiegels zu stellen.
Du bist seit nunmehr über 25 Jahren festes Mitglied des PR-Autorenteams und hast in dieser Zeit weit über 200 Beiträge zum Perryversum verfasst. Wenn du auf das letzte Viertel Jahrhundert zurückblickst, was empfindest du da bzgl. deines Schaffens (bei PR, aber gerne auch darüber hinaus)?

Arndt Ellmer: Mit meiner Hände Arbeit und im Schweiße meiner Achselhöhlen habe ich viele kleine Werke geschaffen. Ein paar Kostbarkeiten waren auch darunter. Ich habe viel gelernt in dieser Zeit, und ich bin auch ein wenig stolz darauf, alles in allem bisher rund 300 Romane geschrieben zu haben.

Zauberspiegel: Dein erster Beitrag zur EA war Band 1155, »Der Erwecker«. Als der Roman erschien, war ich noch nicht einmal geboren, von daher: Kannst du mir von daher kurz schildern, um was es in diesem Heft ging? Erinnerst du dich noch, wie es war, diesen Roman zu schreiben und schlussendlich in gedruckter Form vor sich zu haben?
Arndt Ellmer: Es ist ziemlich lange her. Die Erinnerung bleibt lückenhaft. Es ging um die Plagen Vishnas und um wiedererweckte Tote, etwas, was mir im PR-Zusammenhang thematisch überhaupt keinen Spaß machte. Der zweite Roman, das war 1164, ging mir da schon deutlich leichter von den Tasten. Natürlich war ich unbeschreiblich stolz, als ich meinen ersten gedruckten Perry in der Hand hielt.

Zauberspiegel: Aus heutiger Sicht: Würdest du etwas anders machen, wenn du »Der Erwecker« noch einmal schreiben dürftest?
Arndt Ellmer: Sicherlich würde ich ihn heute ganz anders schreiben. Was im Einzelnen, das entzieht sich meiner Kenntnis. Wink

Zauberspiegel: Kommen wir zur Gegenwart und dem aktuellen Geschehen in der EA. Dort ist Perry ja gegenwärtig damit beschäftigt, der Frequenz-Monarchie Einhalt zu gebieten. Wie bewertest du den »Stardust«-Zyklus bisher? Wo siehst du Stärken, wo Schwächen?
Arndt Ellmer: Es ist ein sehr starker Zyklus. Schwächen sehe ich keine, alle Handlungsebenen verlaufen zielstrebig. Über Details kann man sich streiten. Dass er anders ist als der Vorgänger, ist auch klar. Nach TRAITOR wollten wir ja etwas anderes machen.

Zauberspiegel: Als jemand, der schon viele Gegenspieler Rhodans miterlebt und selbst kreiert hat: Wie schätzt du die Frequenz-Monarchie im Vergleich zu anderen Feinden der Menschheit ein? Wo siehst du Potenzial, das andere Gegner (möglicherweise) nicht aufwiesen?
Arndt Ellmer: Warte es einfach ab. Es zeigt sich im Lauf des Zyklus. Hab' ich da jetzt schon zu viel verraten?

Zauberspiegel: Kommen wir ganz allgemein auf deine Tätigkeit als Autor zu sprechen. Seit deinem Einstieg hat sich PR ja in so mancher Hinsicht verändert, inhaltlich, aber, soweit mir bekannt, auch was die erzählerische Struktur der Serie angeht. Würdest du sagen, dass sich der Stil der Serie tatsächlich verändert hat, und wenn ja, in welcher Hinsicht?
Arndt Ellmer: Literatur verändert sich laufend. Der Lesegeschmack des Publikums verändert sich auch. In diesen 50 Jahren hat PR den Aufstieg von Film, Fernsehen, Video und den Computerspielen erlebt und muss sich auch an visuellen Medien messen lassen. Das wirkt sich aus. Würden wir noch so schreiben, wie das unsere Kollegen etwa in den 1950er Jahren oder noch früher taten, könnten wir keine heutigen Leser begeistern. Geändert hat sich die Darstellung der Themen, die Ausarbeitung, der Schreibstil. Wir schreiben heute viel plastischer. Unsere Sätze sind im Vergleich zu früher länger, wir muten unseren Lesern mehr Konzentration zu. Wir schreiben abwechslungsreicher. Damit ist die folgende Frage nach der Entwicklung meines Erzählstils fast schon vollständig beantwortet.
PERRY RHODAN war ohnehin schon immer etwas anspruchsvoller als andere Heftliteratur.

Zauberspiegel: Inwiefern hat sich dein eigener Erzählstil im Laufe der Jahre gewandelt?
Arndt Ellmer: Abgesehen von den oben bereits erwähnten Unterschieden schreibe ich detailfreudiger als früher.

Zauberspiegel: Es gibt Passagen, die einem Autor besonders liegen, und andere, die einem schwerer fallen. Die Romane von Marc Herren etwa zeichnen sich, wie ich finde, durch die exzellent beschriebenen Charaktere aus, während niemand so fantasievolle Settings entwirft wie Leo Lukas. Wo siehst du selbst deine Stärken als Autor? Was liegt dir besonders, was weniger?
Arndt Ellmer: Bezogen auf PERRY RHODAN bringt es die lange Mitarbeit mit sich, dass ich in den meisten Settings fit bin. Manchmal stehe ich mit technischen Angaben auf dem Kriegsfuß, manchmal läuft es, als hätte ich noch nie etwas anderes gemacht. Schlachtszenarien meistere ich mit wechselndem Erfolg, das ist etwas, was mir manchmal zwar liegt, mich aber nicht sonderlich reizt.
Was mich reizt, sind fantastische Schauplätze, geheimnisvolle Charaktere, ungewöhnliche Situationen. Ich habe eine Vorliebe für abgefahrene Posbis und Mattenwillys, und manchmal treibe ich den einen oder anderen Leser durch stark emotionalisierte Sequenzen an den Rand des Wahnsinns.

Zauberspiegel: Du bist bei PR ja nicht nur als Autor, sondern auch als Betreuer der LKS zuständig. Kannst du mir die Tätigkeit, die du in diesem Rahmen verrichten musst, einmal kurz beschreiben? Welchen Umfang nimmt sie in deiner Beschäftigung mit PR ein?
Arndt Ellmer: Die Leserbetreuung beinhaltet die Kommunikation per Brief oder Mail, die deutschtechnische Bearbeitung der Zuschriften für die LKS, die thematische Zusammenstellung der Leserseiten, die Kommentare zu den abgedruckten Zuschriften, die Auswahl von Grafiken, Storys usw. Manchmal nimmt das 60 bis 70 Prozent meiner Arbeitszeit in Anspruch. Es macht nach 21 Jahren noch immer Spaß.

Zauberspiegel: So, zum Abschluss noch drei kurze Fragen, auf die du bitte möglichst spontan antwortest:
Welches ist der PR-Charakter, mit dem du am liebsten arbeitest, und warum?
Arndt Ellmer: Atlan. Er bietet den größten Background, aus dem man schöpfen kann.

Zauberspiegel: Dein bisher bester Beitrag zu PR?
Arndt Ellmer: Der jeweils neueste Roman.

Zauberspiegel: Und eine Storyline, die du gerne mal innerhalb der Serie lesen würdest?
Arndt Ellmer: Der Quantensprung von ES zur Materiequelle mit dem folgenden Sogeffekt für die Mächtigkeitsballung und den gesamten Einzugsbereich von DORIICLE-4. Aber das ist noch echte Zukunftsmusik.

Zauberspiegel: Vielen Dank, Arndt, für deine Zeit und deine Antworten!

Die Romane im Überblick
Geheimprojekt StardustPR Band 2541, »Geheimprojekt Stardust«, von Christian Montillon
Das Stardust-Geschwader kehrt ins heimatliche System zurück. Hier erwarten die Männer und Frauen des Militärverbands unangenehme Überraschungen.

Ein Sextadimschleier umgibt das Stardust-System und verwehrt der Flotte die Heimkehr. Zudem haben sich auch noch Truppen der Frequenz-Monarchie vor dem Schleier eingefunden.

»Geheimprojekt Stardust« ist ein ordentlicher, wenn auch recht unspektakulärer PR-Roman, der mehr durch die Folgen, die die Geschehnisse des Hefts für den Fortlauf des Zyklusses haben werden, als durch seine eigentliche Story überzeugt.

Dies Geschichte gleitet ohne echte Highlights, aber auch ohne Tiefpunkte oder langweilige Passagen vor sich hin. Kurzum: Ein gut zu lesendes, interessantes Heft, dessen Plot eine spannende Fortsetzung verspricht.

Shandas VisionenPR Band 2542, »Shandas Visionen«, von Hubert Haensel
Im ersten Band seines neuen Zweiteilers schildert Hubert Haensel die Belagerung des Stardust-Systems aus Sicht der jungen Mutantin Shanda und beschreibt, wie die Bevölkerung des Sonnensystems die Bedrohung durch die Frequenz-Monarchie wahrnimmt.

»Shandas Visionen« ist ein charakterbezogene Roman, in dessen Mittelpunkt eine junge Frau steht, die mit ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten nicht zurechtkommt. Die Handlung ist von Haensel eindringlich und mit viel Gefühl in Szene gesetzt worden und weiß für sich genommen im Großen und Ganzen zu überzeugen.

Betrachtet man den Roman dagegen als Teil des »Stardust«-Zyklusses, so enttäuscht er auf ganzer Linie. Wer nach dem Finale von Band 2541 auf eine packende Fortsetzung der dramatischen Geschehnisse gehofft hat, der bleibt mit langem Gesicht zurück. Statt neuer Entwicklungen wird der gleiche Zeitraum wie im Vorgängerband behandelt, nur eben aus der Sicht einer Person innerhalb des Sextadimschleiers. Das ist äußerst ärgerlich für alle, die gerne wissen möchten, wie es nach dem Knalleffekt am Ende von »Geheimprojekt Stardust« weitergeht.

Mich persönlich hat zudem gestört, dass mit Shanda schon wieder eine neue Nebenfigur eingeführt wird, der zukünftig weitere Romane im aktuellen Zyklus gewidmet werden dürften. Atlan, Perry, Alaska Saedelaere, Icho Tolot, Timber F. Whistler, Sinnafoch – so viele Protagonisten und alle mit eigenen Handlungssträngen. Ich gebe es nicht gerne zu, aber ich muss gestehen: So langsam verliere ich den Überblick, wer jetzt genau wo ist und was macht, und das verleidet mir den Zyklus mehr als nur ein klein wenig. Es ist an der Zeit, dass die Macher das Figurenensemble kräftig zurechtstutzen und sich auf bestimmt Figuren konzentrieren, statt immer wieder neue Schauplätze und neue Personen hinzuzufügen.

Fazit: Ein für sich genommen guter, hinsichtlich der Rahmenhandlung jedoch ungemein ärgerlicher Roman, den man sich (man verzeihe mir die harsche Kritik) gut und gerne hätte schenken können.

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