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"Meine" Serien: Gordon Black - Versuch einer Rekonstruktion -

Der Heftroman nach Hübner"Meine" Serien:
Gordon Black –
Gruselkrimis aus der Geisterwelt

- Versuch einer Rekonstruktion -

LogoGordon Black erschien von Oktober 1982 bis September 1983 im Wolfgang-Marken-Verlag, Köln. Neben Wolfgang Rahn schrieb ich an der Serie mit.

Ich war an der Konstruktion der Serie beteiligt und versuche die Entstehung der Serie nun nachzuzeichnen.

 Die Serie Gordon Black im Marken-Verlag, Köln, ist als Schnellschuss der kaufmännischen Verlagsleitung und als Reaktion auf den Erfolg der Bastei-Serie John Sinclair zu verstehen. Man wollte irgendwie ein Stück vom Kuchen haben und irgendwie eine sicher vorhandene Marktlücke besetzen.

"Gordon Black - Grusel - Krimis aus der Geisterwelt" erschien in 20 Bänden von Oktober 1982 bis September 1983 im Wolfgang Marken Verlag. Horst Hübner schrieb als Norman Thackery 12 Romane, während Wolfgang Rahn die verbleibenden 8 Romane als Bryan Danger verfasste

Diese Mentalität, sich irgendwo dranzuhängen, wurde intensiv gepflegt, seit man in der Verlagsspitze widerwillig begriffen hatte, dass mit dem vohandenen Vertreterstab (gerade mal dreieinhalb Kräfte – und die nicht mal in Vollzeit) gegen das immens gute und straffe Vertriebssystem des Bastei Verlages nicht anzukämpfen war.

Die Serie 320 PS - JIM lief in Deutschland zwischen 1982 und 1986 14tägig im Wolfgang Marken Verlag. Es erschienen 106 Romane. An der Serie waren Autoren wie Wolfgang Rahn (Fred Fisher), U.H. Wilken (Colin Scope), W.K. Giesa (Monty G. Ryker), Alfred Wallon (Chuck Malone) und auch Horst Hübner (Ringo Clark) beteilgt. Geschildert wurden die Abenteuer zweier Trucker.

Dazu kam, was allerdings erst später offenbar wurde: Über den Heftverlagen hatte das Totenglöckchen zu bimmeln begonnen. Und weil manche Dinge im Heftgeschäft völlig atypisch waren, gab es auch da wieder eine Ausnahme – der 320-PS-Jim bei Marken. Die Serie lief so gut, dass sie das Spitzenpferd des Hauses wurde – trotz der depperten Vertreter, die das gar nicht erst begriffen.

Übrigens: Bevor Marken Ende 1986 das Programm deutschsprachiger Heftromane einstellte, wurde das Gesamtprogramm Bastei zum Kauf angeboten. Das Haus Lübbe bekundete Interesse am 320-PS-Jim, an sonst nichts. Der Marken-Verleger beharrte allerdings auf seiner Forderung: alles oder nichts. Da beschied Bastei dann eben: nichts. Und startete wenig später die eigene PS-Bolzen-Serie Trucker-King.

Doch zurück zu Gordon Black. Es musste also ein Mitbewerber zu Sinclair her, und das schnell – wie üblicherweise gefordert: möglichst vorgestern. Chefredakteur Hendrik van Buggenum (übrigens auch von Bastei zu Marken gewechselt, aber einige Jahre nach mir) leierte eine Autorenumfrage an. Der Tenor: Wer hat von Grusel eine Ahnung? Wer kann aus dem Handgelenk ein Serienkonzept zaubern?

Da und dort zuckten Autoren hoch – etwa Wunderer, Hary oder auch Birner. Aber mehr kam bei der Aktion nicht rum. Also setzte man sich in der Redaktion zusammen. Was dort genau ausgebrütet wurde, habe ich allerdings erst erfahren, als ich als letzte Rettung hinzu gerufen wurde.

CoverDie Vorgabe war: Der Held heißt Gordon Blackinverness, Vorfahren aus England (wegen des besseren Verständnisses für Geister und Gespenster). Er hat einen Beruf, der ihn mit möglichst allen amerikanischen Bevölkerungsschichten zusammenbringt, ist in New York ansässig und arbeitet von dort aus. Zudem hat er eine attraktive Mitarbeiterin.

Das war das Grundgerüst. Jetzt mussten wir es mit Fleisch und Speck ummanteln.

Den Namen Blackinverness kürzten wir auf Gordon Black zusammen. Wir versetzten ihn in den Anwaltsstand mit vorprogrammiertem Zoff mit der Anwaltskammer NY wegen seiner gelegentlichen Beschäftigung mit dem Übernatürlichen.

Ein Romanheld braucht natürlich auch ein Aussehen. So wurde Steve McQueen als Vorbild auserkoren (McQueen war damals  bereits verstorben. Er erlag am 7. November 1980 einem Krebsleiden – von daher drohten also keine Gefahren betreffs Schutzes der Persönlichkeit, etc.).

Weil – im Gegensatz zu Sinclair – unser Held eine Partnerin haben sollte, haben wir Hanako Kamara kreiert. Als Japanerin mit familiären Zaubererhintergrund und verteufelt gut und sexy aussehend.

Was uns große Schwierigkeiten bereitete, war die Ausstattung Blacks mit Zubehör, das einer kritischen Überprüfung standzuhalten vermochte. Van Buggenum, Helfer in der Redaktion und ich kontaktierten „magische Zirkel“, schwarze Sekten und Bruder-Logen. Genau diese erwiesen sich am Ende als recht hilfreich. Van Buggenum brachte bei den Freimaurern einiges über Weiße und Schwarze Magie in Erfahrung, wie auch über die Unterschiede zwischen den beiden. Von einem Rosenkreuzer habe ich einiges über eine gewisse rote Schnur gehört, die zu tragen nur ein Meister der Weißen Magie berechtigt sein soll. Über das Material der Schnur schwieg sich der Rosenkreuzer aus.

Weitere Informationen haben wir der einschlägigen Literatur entnommen – etwa dem „Pfaffenspiegel“ oder „Zauberglaube und Hexenkult“ von Donovan.

Wir haben auch in den angeblich verbotenen Moses-Büchern sechs bis elf geblättert und ein bescheidenes Kaleidoskop von Fürsten und Dienern des Bösen und der dunklen Mächte vorgefunden und einiges adaptiert. Im übrigen aber ist die Lektüre der geheimen Moses-Bücher bestenfalls literaturhistorisch interessant und lässt auch Rückschlüsse auf den Allgemeinbildungsstand vorangegangener Generationen zu – sinngemäß etwa, mit welch Hokuspokus und mit welch geringen und simplen Mitteln zu einer noch nicht allzu fernen Vergangenheit zu beeindrucken, letztlich zu beherrschen und damit zu lenken waren. Selbst die Anrufungen sind unter kulturellen Aspekt gesehen eher rührend-komisch als erfolgversprechend.

Aus diesen ganzen Recherchen sind einige Dinge hervor gegangen, die wir Gordon Black und Hanako gewissermaßen als Insignien ihrer Fähigkeiten beigegeben haben.

Bei Hanako war es ein Dogu. Das ist in Figürchen, das eine in eine Art Rüstung gezwängte Menschengestalt mit geschlossenem Helm darstellt.

Bei Gordon Black mussten wir natürlich draufsatteln. In seinem Anwaltsbüro im 11. Stock des Gebäudes Nr. 200 an der Ecke 42. Straße West und 2. Avenue, also mitten im Geschäftsviertel von Downtown Manhattan und in Sichtweite des UN-Hauptquartiers, hat er eine Silberstatue der Göttin Aradia stehen, die in bestimmten Situationen Wellen vergleichbar denen des Lichts aussendet. Dieses Licht kann aber nur von denen gesehen werden, die dazu fähig oder ausersehen sind.

Foto

Die Anrufung der „S“ - nämlich der Seraphine Sopher, Sepher und Sipur – der sich Gordon Black gelegentlich bedient, ist im Wortlaut den geheimen Moses-Büchern entnommen.

Die rote Schnur, die Gordon Black als Meister der Weißen Magie trägt, ist üblicherweise unter der Kleidung verborgen. Ans Ende der Schnur hat Gordon Black die Athame, das Hexenmesser, gebunden. Sie dient zur physischen Abwehr von Angriffen dunkler Mächte. Die Athame besteht übrigens aus Meteoreisen, einem überaus kostbaren und seltenen Material. Der Dolch, den Howard Carter an der Mumie Tutanchamuns entdeckte, besteht aus reinem Meteoreisen. Dieses Eisen rostet nicht, weil der Meteor beim Eintritt in die Erdatmosphäre so heiß wird, dass er den kompletten Kohlenstoff verliert und sich somit der Oxidation beim Dazukommen von Feuchtigkeit keine Angriffsfläche bietet.

Raren Materialien wurde schon immer große Aufmerksamkeit gezollt. Deshalb haben wir es für unerlässlich gehalten, Gordon Black mit einem Utensil aus etwas sehr Seltenem zu versehen.

Dann war da noch die Hauptwaffe Gordons Blacks: Die Dämonenpeitsche. Die Grundidee hierzu entstammt durchaus der Sinclair-Serie, aber wir legten unsere Version komplett alternativ an. Die wirkung der Waffe war eine gänzlich andere.

Natürlich musste auch Gordon Black einen familiären Hintergrund wie Hanako haben. Darum wurden Blacks britische Vorfahren mit dem Nimbus ausgestattet, schon immer Diener der weißen Magie gewesen zu sein und mit dieser Tradition niemals gebrochen zu haben.

Der Unterschied zwischen weißer und schwarzer Magie ist ganz elementar: Die weiße Magie beschützt und bewahrt vor Bösem, die schwarze Magie will beherrschen, Macht ausüben, Reichtum raffen, Schaden zufügen.

Die Grenzen sind allerdings fließend.

Es gibt eine Legende, die weder bestätigt noch dementiert ist. Sie geht auf den 2. Weltkrieg und das Einwirken von Hexen zurück. Als das britische Expeditionskorps nach verlustreichen Kämpfen auf dem Strand von Dünkirchen zusammengetrieben war und jederzeit von den deutschen Truppen vernichtet werden konnte, lief einerseits in England eine beispiellose Rettungsaktion an. Quasi lief alles vom Ruderboot bis zum Flussdampfer aus, überquerte den Ärmelkanal und holte die britischen Truppen vom Strand von Dünkirchen heim auf die Insel.

Dabei verstand keiner das Stillhalten Berlins und der deutschen Truppen. Es hätte nur eines Befehls bedurft, das britische Korps anzugreifen und zu vernichten.

Schottische (einer alternativen Darstellung zufolge schottische, englische und irische) Hexen sollen sich in der kritischen Phase der britischen Truppen zu einem Treffen versammelt und nur mit geistiger zw. Telepathischer Kraft Hitler solange am Erteilen des Angriffsbefehls gehindert haben, bis die eigenen Truppen übers Wasser in Sicherheit gebracht waren. Bei dieser Aktion soll unter anderem auch ein mächtiger Geist oder Fürst des Zwischenreichs oder der dunklen Seite angerufen worden sein – der große Adonay, der wohl auf keltischen Ursprung zurückzuführen ist. Denn überall, wo Kelten siedelten, gibt es in der Überlieferung der Nachfolgestämme eine Figur, die schwer zu fassen und zu beschreiben, aber eindeutig als Adonay auszumachen ist.

Wir konnten natürlich der Versuchung nicht widerstehen, auch Gordon Black gelegentlich Adonay anrufen zu lassen – wenn auch in Maßen.

CoverDas größte Problem war, praktisch aus dem Stand heraus die Serie zu starten, dass heißt die richtigen Autoren zu finden. Zum Schluss blieben Wolfgang Rahn und ich übrig. Wir konnten uns nicht einmal groß abstimmen, was wo warum und wie geschah. Daraus erklärt sich, dass Rahn in Band 2 Gordon Black als Redakteur bzw. Journalisten agieren ließ. Solche Kinderkrankheiten treten zwar immer wieder auf. Sie sind aber höchst ärgerlich, weil vermeidbar. Bloß in unserem Fall nicht. Denn es gab für die Serie und ihre einzelnen Folgen weder ein Rahmenkonzept noch ein grobes Gesamtkonzept. Die Themen mussten wir uns auch noch zusammen suchen.

Anlehnungen an historische Vorkommnisse waren aber sehr erwünscht. Aus diesem Grund habe ich auch den venezianischen Spiegel in den Mittelpunkt des ersten Bandes der Serie gestellt oder habe die entsetzlichen Hexenprozesse in Salem an- und ausgeleuchtet.

Was die Serie vom Start weg kolossal behindert hat, war die vierwöchentliche Erscheinungsweise – immerhin bis Band 6. Das bedeutet ein halbes Jahr!!! Erst ab Band 7 ist Gordon Black dann vierzehntägig auf den Markt gekommen – immerhin. Aber die guten Chancen, mit vernünftigen Romanen regelmäßig und in kurzen Intervallen für den Leser präsent zu sein, wurden vergeigt und vertan.

Wer Fragen zu Gordon Black und meinen Beitrag hat, der möge den Thread Fragen  zu Gordon Black im Gästeforum nutzen 

Horst Hübner, im Februar 2008

“Gordon Black”, Marken Verlag, 1982-1983
01 Der Spiegel des Grauens, Norman Thackery
02 Die Augen des Dämonen, Bryan Danger
03 Friedhof der Hexen, Norman Thackery
04 Der Monstermacher, Bryan Danger
05 Eine Braut für Dracula, Norman Thackery
06 Im Kabinett des Teufels, Norman Thackery
07 Die Schatten mit den Würgerhänden, Bryan Danger
08 Ein Toter kommt um Mitternacht, Norman Thackery
09 Der magische Tiger, Norman Thackery
10 Der Dämon aus der Hölle, Norman Thackery
11 Die Gruft der Ungeheuer, Bryan Danger
12 Der Turm der Schädeljäger, Norman Thackery
13 Hetzjagd der Phantome, Bryan Danger
14 Das Blutschloß, Norman Thackery
15 Schreie in der Hexenfalle, Bryan Danger
16 Die Mördermumie, Norman Thackery
17 Der Mitternachtswürger, Bryan Danger
18 Das Mädchen vom Hexenschiff, Norman Thackery
19 Party mit dem Knochenmann, Bryan Danger
20 Der Blutgraf vom Totenacker, Norman Thackery

 

Kommentare  

#1 Thomas Rippert 2008-02-23 15:36
netter insiderlook, vielen dank dafür.

ich habe die serie geliebt und bis zum ende gekauft und gelesen. eine "neuauflage" (gerne auch als taschenbuch oder paperback) wäre sicher eine nette sache, da meine hefte im laufe der jahre verschollen gingen.
#2 Cartwing 2008-02-23 20:29
"(McQueen war damals schon schwer erkrankt, mit seinem baldigen Ableben war zu rechnen ? von daher drohten also keine Gefahren betreffs Schutzes der Persönlichkeit, etc.)"

Hm, dafür dass die Serie ein Schnellschuss war, scheint man aber lange an der Planung gesessen zu haben. McQueen ist doch schon 1980 gestorben.
#3 Harantor 2008-02-25 03:27
Zitat:
dafür dass die Serie ein Schnellschuss war, scheint man aber lange an der Planung gesessen zu haben. McQueen ist doch schon 1980 gestorben
Horst Hübner lässt ausrichten: Da hat mir die Erinnerung einen Streich gespielt. Weil Steve McQueen bereits verstorben war, hat man ihn als Vorbild gewählt. Das ist im Artikel nun korrigiert.
#4 George O. 2015-01-25 14:28
Interessante Einblicke und das Verlagsgeschäft - sowas lese ich immer wieder gern, weil es auch in meine Lese-Anfangszeit fällt. Das hier hat mich jedoch nachdenklich gestimmt:

Zitat:
Übrigens: Bevor Marken Ende 1986 das Programm deutschsprachiger Heftromane einstellte, wurde das Gesamtprogramm Bastei zum Kauf angeboten. Das Haus Lübbe bekundete Interesse am 320-PS-Jim, an sonst nichts. Der Marken-Verleger beharrte allerdings auf seiner Forderung: alles oder nichts. Da beschied Bastei dann eben: nichts. Und startete wenig später die eigene PS-Bolzen-Serie Trucker-King.
Da sieht man mal wieder, wie dumm manche Entscheidungen getroffen werden. Da besitzt man eine Reihe, die man zu Geld machen kann, aber da man habgierig ist, weigert man sich zu verkaufen, und bekommt am Ende gar nichts. Die anderen Reihen haben eben keinen Wert dargestellt, daher bekundet man auch kein Interesse daran. Aber aus doofen Gründen dann nichts verkaufen, selbst das nicht, was noch etwas wert gewesen wäre ... *kopfkratz*

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